Greifswald – Universitätsstadt mit Flair

Wenn man sich auf das Zentrum von Greifswald zubewegt, fällt sofort auf: an jungen Familien mangelt es hier nicht. Immer wieder muss man vor einem Kinderwagen oder Kids auf Rollern ausweichen. Zudem kann man Greifswald mit Fug und Recht als Fahrradstadt bezeichnen. Überall, egal ob auf dem Kopfsteinplaster, dem Trottoir oder dem Radweg, tauchen plötzlich Drahtesel auf, vor allem dann, wenn man sie am wenigsten erwartet. Mitunter kostet es ein wenig Mühe, sich trotz „Gewusel“ auf die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu konzentrieren.

Diese gibt es zweifelsohne. Denn auch Greifswald ist Teilnehmerin der Europäischen Backsteinroute. Ein Schild macht auf die Gebäude aufmerksam, die zu diesem Gesichtspunkt passen:
Die Kirche St. Jacobi (im Juli 21 nicht zu besichtigen), St. Spiritus, ehemalige Hospitalkirche (jetzt ein Soziokulturelles Zentrum), der Dom St. Nicolai, zwei ehemalige Wohnspeicherhäuser am Markt, die ehemalige Klosterbibliothek, die Kirche St. Marien, der Fangenturm Stadtmauer sowie die Klosterruine Eldena.

Als weitere Tour wird der Casper-David-Bildweg empfohlen, der 15 Lebens- und Wirkungsorte des bekannten Malers für Spaziergänger erschließt. Darunter u.a. das Pommersche Landesmuseum, das seit 2000 existiert und von Casper David Friedrich eine Sammlung von Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen etc. besitzt. Besonders bekannt ist das Bild „Ruine Eldena im Riesengebirge“, entstanden um 1830/34.
Viele Örtlichkeiten in Greifswald dürften den Maler (1774 geboren) inspiriert haben.

Bei schönem Wetter bietet es sich zunächst einmal an, durch die Stadt zu streifen und sich Sehenswertes anzuschauen: den Marktplatz, das Rathaus, das Casper-David-Friedrich-Zentrum und – denkmal, das Geburtshaus des Schriftstellers Franz Fallada sowie das des Autors Wolfgang Koeppen, die katholische Kirche St. Josef oder den Museumshafen entlang des Flusses Ryck.

Noch ein paar Eckdaten zur Stadtgeschichte: 1361 Beitritt zur Hanse, 1456 Gründung der Universität, 1945 Rettung der Stadt durch die kampflose Übergabe an die Rote Armee, 2005 Titelverleihung Universitäts- und Hansestadt.

St. Nicolai wurde bzw. wird innen restauriert und die originale mittelalterliche Ausstattung, insbesondere Fresken, Bemalung der Bögen und Joche kommen wieder zu Tage. Die Kirche, in der Casper David Friedrich getauft wurde, tauchte 1280 erstmals in Urkunden auf und wurde 1457 zum Dom geweiht. Der Kirchenraum im neogotischen Stil wirkt erhaben, hell und edel, der Kirchturm ist 98 Meter hoch.

Die gotische Backsteinkirche St. Marien aus dem Jahr 1280 (Länge: 66,70 m, Gesamtturmhöhe: 63,71m) strahlt eine ganz besondere Atmosphäre aus und wird ebenfalls sukzessive renoviert. Lt. Stadtinfo zählt sie zu den größten Hallenkirchen Norddeutschlands. Angeblich wird sie „dicke Marie“ genannt und beherbergt eine 1587 gefertigte Kanzel sowie die 1864 gebaute Mehmel-Orgel. Eine Ausstellung und weitere Tafeln vermitteln Informationen zum Fortschritt der Renovierung. Auch hier sind farbig bemalte Bögen, mit floralen Mustern ausgestaltete Decken, Wandmalereien mit biblischen Szenen und kunstvolle Furnierarbeiten zu sehen. Innerhalb der Kirche befindet sich die Marienkapelle, die um 1250 gebaut worden sein soll und als der älteste sakrale Raum der Stadt gilt. Diese soll in Zunkunft die Funktion eines „Raums der Stille“ innehaben.

Wer Greifswald besucht, sollte unbedingt einen Abstecher zu den beiden Ortsteilen Wieck und Eldena machen. Dies ist möglich mit Bus und zu Fuß oder via Fahrrad den Fluss Ryck entlang. Wieck und Eldena sind durch die Wiecker Holzklappbrücke miteinander verbunden, die 1887 nach holländischem Vorbild errichtet wurde. Inmitten des früheren Fischerdorfes Wieck ragt die Bugenhagenkirche empor, außerdem kann man durch den historischen Dorfkern mit Häusern aus Rieddächern schlendern.

Die Burgruine Eldena wurde 1199 von dänischen Mönchen als Zisterzienserkloster Hilda begründet, bis 1245 wurden die ältesten noch erhaltenen Bauteile (Chor, Quer- und Langhaus) errichtet, ab 1255 der älteste Klausurbereich. Um 1400 erfolgte der Ausbau der Kirche samt herzoglicher Grablege. Ab 1535 diente die Anlage als herzogliches Amt. Nach den Plünderungen im 30jährigen Krieg verfiel das Kloster und wurde als Steinbruch gebraucht. Werke von Casper David Friedrich mit diesem Motiv machten die Ruine nach 1800 in der europäischen Kunstwelt bekannt.

In Eldena befindet sich auch ein kostenfreies Strandbad, das sich am Meer – der Dänischen Wiek – entlang erstreckt. Es ist eine Anlage mit Geschichte, denn die frühere historische Badeanstalt geht auf das Jahr 1924 zurück. Man kann sich in den Sand legen und im zwar flachen, dafür aber umso welligeren Wasser schwimmen und sich immer wieder von großen Wogen überspülen lassen. Abends beim Auswaschen von Handtuch und Badeanzug wird man sich wundern, wo denn die vielen kleinen Körner herkommen.

Wunderbar ist der Ausblick auf die Weite des Wassers, wenn man noch eine Weile an der Küste entlangspaziert. Läuft man in Wieck weiter bis zum äußersten Landzipfel vor dem Meer, stößt man auf den Utkiek, wo ein Bild von Casper David Friedrich (Lebensstufen um 1835) entstanden sein könnte. Der Pfad ist gesäumt von Holzskulpturen, die zwischen 1996 und 2002 von nationalen und internationalen Künstlern geschaffen wurden.
Die niedrig stehende Sonne, ein weißes Segelboot und die befestigten Liebesschlösser rufen eine romantische Stimmung hervor, ähnlich wie sie Casper David Friedrich vor vielen Jahren hier auch inspiriert haben könnte.

Weitere Infos zu C. D. Friedrich:
https://www.giessener-anzeiger.de/ratgeber/reise/reiseberichte/europa/auf-den-spuren-von-caspar-david-friedrich-in-greifswald_17530554

(Quellen u.a.: Material der Tourist-Info Greifswald)


Was ist Wahrheit?

Verbirgt sich die Wahrheit hinter geschwärzten Stellen, wie man es beim Betrachten der Kunstwerke „Vaterhaus 3.0“ von Jürgen Hochmuth vermuten könnte? Oder verdecken die geschwärzten Stellen gerade Fakten des Lebens, die nicht zur eigenen Wahrheit gehören, fremdbestimmt vollzogen wurden? Wie und wann wird Wahrheit bewusst? Spürt ein Außengesteuerter bereits, dass da etwas nicht stimmt oder stellt sich die Erkenntnis erst in der Reflexion im nachhinein ein? Was bewirkt eine Generation Abstand? Mehr Klarheit oder mehr Verschwommenheit? Solche und ähnliche Fragen mögen den Künstler in seinem intensiven Prozess der Auseinandersetzung mit der Geschichte seines Vaters bewegt haben. 61 zum Teil unscharfe Porträt-Fotografien mit Überzeichnungen und Überblendungen – bis zur Unkenntlichkeit des Ausgangsbildes – sind das Zwischenergebnis der Spurensuche von Jürgen Hochmuth, die letztlich auch in ein allgemeines Nachdenken über Wahrheit mündete. Seine künstlerische Aufarbeitung wurde mit dem Preis des Kunstvereins Schweinfurt (3. Preis) ausgezeichnet.

Worum geht es hier? Ort des Geschehens war die 5. Triennale Franken 2021, die vom 2. Juli bis 5. September im großen Saal der Schweinfurter Kunsthalle stattfand. Verantwortlich zeichneten als Kurator der renommierte ehemalige Kunstreferent der Diözese Würzburg, Dr. Jürgen Lenssen, und die Leiterin der Kunsthalle, Andrea Brandl M.A.

Präsentiert wurden zehn künstlerische Positionen in unterschiedlichen Materialien und Techniken, die in spannungsreichem Kontrast gegenüber gestellt waren. Um den Dialog, der zwischen Kunst und Betrachter entsteht, noch weiter zu beflügeln, gab es ein umfassendes begleitendes Programm mit 18 Veranstaltungen – darunter Gottesdiensten, Kabarett, „Tischgesprächen“, Lyrikdarbietungen, Musik und Kuratorenführungen.

Damit die Kunst nicht nur auf die Ausstellungshalle beschränkt bleibt, vielmehr in den städtischen Raum hinaustritt, wurde als weiterer Veranstaltungsort die evangelisch-lutherische St. Johannis-Kirche ins Konzept aufgenommen. Nicht zufällig, denn sie fungierte mit ihrem Dekan Oliver Bruckmann als Kooperationspartner des Projektes. Der Grundriss des einstigen Ernst-Sachs-Bades, das seit 2009 zur Kunsthalle umgewidmet ist, war von einer romanischen Klosteranlage inspiriert und bei der Planung des Hallenbades stand bewusst ein Kirchenschiff vor Augen. Nun wurde mit dem Einbezug des Kirchenstandortes dieser Gedanke folglich zu Ende gebracht.

Der Name des Kurators erwies sich als Magnet und seine Führungen waren rasch ausgebucht. Es bestand keine Chance, auf diesem Weg einen Einblick in die Ausstellung zu bekommen. So blieb nur die Möglichkeit, sich über den subjektiven Eindruck, den Künstlerfilm und den Katalog einen eigenen Reim auf das Gesehene zu machen. Vielleicht aber war das genau die Intention dieser Triennale – die Besucher*innen sollen den eigenen Assoziationen trauen, auch wenn diese nicht unmittelbar kunsttheoretisch geleitet sind, Gedanken weiterspinnen, diese beim Verlassen der Kunsthalle in den eigenen Alltag mitnehmen und dort wie Sauerteig gären lassen.

Was ist Wahrheit? Wer verfügt über die Wahrheit? Die Kirche, die Justiz, die Wissenschaft? Kann auch ein*e Unbedarfte*r nach der Wahrheit suchen, sie erahnen? Der Konstruktivismus ist eine Variante der Erkenntnistheorie, die besagt, dass eine Disziplin oder ein Betrachter einen Gegenstand durch den Vorgang des Erkennens erschaffen können.

Diese Ansatz vertritt auch Birgitta Volz, wenn sie sagt: Jeder Mensch hat seine eigene Wahrnehmung und erschafft sich so seine eigene Wirklichkeit, daraus seine eigene Wahrheit. In ihren Kunstwerken versucht sie, den Betrachter an ihrer eigenen Wahrnehmung zu beteiligen und ihre künstlerische Wahrheit verständlich zu machen. Sie bildet in ihrem Baumrindendruck Baumstrukturen ab und lässt zugleich eine sekundäre Welt der Archetypen und Märchenbilder der jeweiligen Kulturkreise entstehen, wenn da Hexen, Faune, Erdwesen, Feen, Zwerge, Kobolde erahnt werden können. Gibt es auch eine Wahrheit der Phantasie und Vorstellungskraft? Was bildet deren Urgrund – das kollektive Unbewusste, die überlieferten Mythen der Vorfahren? Plakativ von der zehn Meter hohen Decke herabhängend, schien diese Wirklichkeit ganz nah.

Der Schweinfurter Theologe und Künstler Jürgen Wolf, stellte ebenso fest und manifestierte dies in einer Reihe: Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters. Der Titel von Bild 1 lautet „Ja Aber Nein“, von Bild 2: „Wahrheit“ und von Bild 3: „Keine Angst“. Er befürchtet, wenn man von der Wahrheit etwas verstanden habe, glaube man, sie bereits zu besitzen. Besser sei es, über das nachzudenken, was man nicht verstanden habe.

C.U. Frank stellt mit ihren verkehrt herum aufgehängten Schrifttafeln die Frage „right side or right sight?“ und folgert „one side has never been enough“ (Seitenvertauschung) und hofft, dass daraus ein Umdenken („change of perspective) resultiert.

Adrian Wald irritiert in seiner facettenreichen Präsentationswand dadurch, dass er beispielsweise in einer Anordnung von Wasserwaagen, von denen man denkt, dass Exaktheit impliziert sei, bewusst Ungenauigkeiten entstehen lässt, die deren Verlässlichkeit in Frage stellen.

Udo Breitenbach verwendet als Material Alltagsgegenstände und setzt diese zu objets trouvés, Collagen, Assemblagen, Readymades zusammen. Durch die entstandenen neuen Kontexte überrascht er, provoziert und regt zum Nachdenken an, zu nennen sind u.a. die Skulpturen „Wahrheit – Schall und Rauch“ oder „falscher Prophet“. Breitenbach liest aus seinen Objekten Wahrheit heraus und interpretiert diese hinein. Er versuch mit seiner Kunst, sich der Wahrheit und sich selbst anzunähern. Der Betrachter soll angeregt werden, seine Lebensthemen zu finden.

Auch objektive Tatsachen können eine Grundlage bilden, wenn zum Beispiel die Natur ihre Gesetzmäßigkeiten vorgibt. Daran orientiert sich Rainer Nepita in seinem Pflanzenalphabet, wenn er wilde Pflanzen in Zeichnungen umsetzt. Er beschreibt seine Kunst: „… Jede dieser Formen ist, so wie sie ist, richtig, schön, individuell, identisch und wahr. Diese lebendigen Formen sind die Basis meiner Arbeit… Mich fasziniert ihre Vielfalt, Schönheit, Lebensenergie, ihre Kraft und Vielgestalt, ihre Wahrheit des Lebendigen.“ Im Film ergänzt er: Kein Element solle sich in den Vordergrund drängen, zu laut oder zu schwer sein und die Gleichmäßigkeit des Eindrucks stören. Für die Bildkomposition sei es wichtig, dass alle Bestandteile zusammenwirken und eine Rolle spielen.

Götz Sambale geht es darum, die elementaren Formprozesse der Natur zu verstehen und deren Wesen künstlerisch umzusetzen. Dabei muss er mit der Begrenztheit seines Materials Holz umgehen. Jede plastische Form entstehe durch das Zusammenspiel von quellenden und zusammenziehenden Kräften, von Wölbung und Konkave, von Wachsen und Vergehen. Im Rahmen dieser Auseinandersetzung beobachte er auch die menschliche Gestalt, bilde diese ab und setze sie in Bezug zum Raum. Warum er seinen Holzfiguren eine Krone aufsetzt, bleibt eine Frage an den Betrachter. Der Mensch als Krone der Schöpfung? Um mit Jürgen Wolf zu antworten: „Ja Aber Nein“. Denn letztlich erhebt sich dieser über die Natur und zerstört die natürlichen Grundlagen durch seine exzessive Lebensweise. Götz Sambale war übrigens die Ehre zuteil, seine Werkpräsentation in der St. Johanniskirche fortsetzen zu dürfen.

Oder liegt die Wahrheit im meditativen Arbeiten, wenn Walter Bausenwein Seidenkokon für Seidenkokon in unendlich scheinender Geduldsarbeit seine intuitiven Formen schafft? Er sagt von sich: „Ich nähere mich dem Thema durch die Farben Schwarz und Weiß, den Formen konvex und konkav und den Seidenraupenkokon als Symbol von Werden und Vergehen. Ich möchte keine Botschaft produzieren.“ Ihm wurde der 2. Preis (Publikumspreis zuerkannt).

Der Mensch neigt zur Selbstüberschätzung in seinem Traum von Fliegen, im Mythos vom übermütigen Ikarus, der der Sonne zu nahe kommt, findet er seine Grenzen. Ein Gespür, wie eng der Grad zwischen Schwebenden und Stürzenden ist, findet der Bildhauer Thomas Hildenbrand, symbolisiert in seinen Figuren. Besonders raumgreifend sind seine Sturzgruppen. Ihm, dem vergleichsweise jungen Künstler wurde der 1. Preis der Triennale zuerkannt. Der Preis ist mit einer Ausstellung verbunden, die 2023 in der Kunsthalle Schweinfurt zu sehen sein wird.

Am Tag der Finnssage war die Frage nach der Wahrheit noch immer offen. Heißt Wahrheit, mittels Kunst zu erkennen, dass die eigene Sicht der Dinge nicht die einzig mögliche ist, es vielmehr viele unterschiedliche Perspektiven auf ein komplexes Gebilde gibt? Oder ist Wahrheit umgekehrt der tiefe Grund, der trotz aller Verschiedenheit allen gemeinsam ist? Das Abschlussdatum markiert kein wirkliches Ende, sondern stellt die Herausforderung an die Künstler*innen, auf der Suche zu bleiben und an die Betrachter*innen, sich weiterhin auf Kunst einzulassen, Gewohntes in Frage zu stellen, zu zweifeln und andere Sichtweisen zu suchen. Macht diese nie endende Suche nach Wahrheit nicht das Wesen von Kunst aus? Der Kurator hat mit seinem gewählten Thema diese Grundsatzfrage implizit mit anklingen lassen.

Insgesamt 5 000 Besucher*innen haben sich trotz der in Schweinfurt zum Teil hohen Inzidenzahlen und der Einschränkungen durch die Pandemie die Ausstellung mit großem Interesse angeschaut und sich damit auseinandergesetzt. Nicht zuletzt geben die Eintragungen in das Gästebuch Zeugnis von der hohen Wertschätzung für Dr. Jürgen Lenssen.

Weitere Informationen und Quellen:

Triennale Schweinfurt auf dem Youtube-Kanal der Kunsthalle Schweinfurt

Kunsthalle Schweinfurt: 5. Triennale – Wahrheit

Katalog zur Triennale (Schriften der Kunsthalle Schweinfurt 246/2021

Rückblick: http://www.radioprimaton.de/2021/09/06/schweinfurt-5-triennale-franken-wahrheit/

Veröffentlicht in Kunst

Prenzlau – Kleinod im Nordosten

Warum fiel die Wahl eigentlich auf Prenzlau? Mit ausschlaggebend dafür war sicher ein Foto der dortigen Kirche St. Marien in einem großen Wandkalender. Das majestätische Gebäude schien nahezu aufzufordern: Besuch mich!

Zufall war, dass es auch Parallelen zu Würzburg gibt. Beide Städte wurden im 2. Weltkrieg im Frühjahr 1945 weitgehend zerstört (Würzburg im März, Prenzlau im April). Prenzlau fiel den Brandschatzungen der Roten Armee zum Opfer – sowjetische Truppen legten in der gesamten Innenstadt Feuer – und die Bausubstanz war zu fast 85% vernichtet. Würzburg hingegen wurde durch einen Angriff der Allierten zu Trümmern gebombt. Gemeinsam ist beiden Städten, dass nach dem Krieg funktionale Wohnungen geschaffen werden mussten. In Prenzlau wurden ähnlich den eher schmucklosen 50er Jahre-Bauten in Würzburg Plattenbausiedlungen hochgezogen, die an manchen Ecken einen etwas trostlosen Eindruck hervorrufen.

Auffällig ist der hohe Anteil an älteren Frauen, die etwas gebehindert, einen Rollator benutzen. Mütter mit Kindern fallen im Stadtbild weniger häufig auf. Tatsächlich zählt Prenzlau lt. „Wegweiser Kommune“ zu Demografietyp 2 (alternde Städte und Gemeinden mit sozioökonomischen Herausforderungen). Die Bevölkerungsentwicklung der letzten fünf Jahre beträgt -0,5%.

Dennoch ist Prenzlau eine Stadt, die sofort einen sympathischen Eindruck erweckt. Die Schönheiten erschließen sich nicht sofort und auf einmal, sondern man muss sie allmählich entdecken.

Als erstes fällt die Marienkirche in den Blick. Dieser monumentale und beeindruckende Bau ist von überall her sichtbar, egal aus welcher Richtung man sich nähert oder an welcher Schneise man steht. Selbst wenn man kilometerweit von der Stadt entfernt ist, z.B. bei einer Radtour rund um den Unteruckersee, kann man sich daran orientieren. Die Kirche dient als eine Art Anker, sobald man sie wahrnimmt, fühlt man sich auf sicherem Grund.
Die Anfänge der Marienkirche reichen zurück auf 1235 bis 1250, als dort ein Vorgängerbau errichtet wurde. 1289 bis 1340 wurde ein Neubau als gotische Hallenkirche mit drei Schiffen im Stil der Backsteingotik hochgezogen. Dabei wurde auf den Westteil der früheren Kirche, der aus Feldsteinmauerwerk bestand, zurückgegriffen. Der imposante Kirchenraum besteht aus sieben Jochen, ist 56 m lang, 26 m breit und 22 m hoch. Der Nordturm ist 68 m, der Südturm 64 m hoch. Eine Verbindungsbrücke dazwischen ermöglicht Besuchern einen weiten Blick auf die ganze Stadt und den See. Bei der Zerstörung Prenzlaus durch die Sowjets brannte die Marienkirche aus und das Gewölbe fiel in sich zusammen. Nur die Außenmauern und Pfeilerarkaden blieben stehen. Der Wiederaufbau startete 1970, bis 1988 wurden die Türme wieder aufgesetzt. Besonders beeindruckend ist das moderne Rosettenfenster in der Rückwand, das von Glasbildner Johannes Schreiter bis 1995 gestaltet wurde, 1997 fand der Altar wieder seinen Platz. Nachdem die Arbeiten an der Empore und der Orgel beendet sind, sollen ab Herbst 2021 wieder Gottesdienste in der Marienkirche stattfinden.
(Historische Fakten: https://de.wikipedia.org/wiki/Marienkirche_(Prenzlau))
Bereits im Juli, August, September fand eine Konzertreihe „Rush hour concerts“ à 20 Minuten an jedem Donnerstag statt. Dafür war Helge Schneiders ehemalige Hausorgel (erbaut 1906 von Emil Nielsen aus Aarhus) im Einsatz. Gegenüberliegend steht die barocke Röder-Orgel (1742) aus der Dorfkirche Greiffenberg.

Beeindruckend ist auch die Stadtmauer – ein Rundweg lädt ein, die 2600 m entlang dieses Steinwerkes zu laufen. Im Text einer Erklärtafel wird die Stadt sogar mit dem mittelfränkischen Rothenburg ob der Tauber verglichen. Die gesamte Wehranlage (ab 1287 errichtet) ist 9 m hoch und besteht aus der Stadtmauer, Toren, Wehrtürmen und 66 Wiekhäusern (zur Verteidigung). Im 18. Jahrhundert wurden von innen her an die Stadtmauer kleine Häuser gebaut, von denen noch drei erhalten sind.
Namentlich existieren die folgenden Türme: Blindower Turm, Hexenturm (dieser diente im Mittelalter als Gefängnis für Männer und Frauen, die der Hexerei bezichtigt wurden), Pulverturm und Mitteltorturm sowie der Steintorturm. Der Mitteltorturm aus dem 15. Jahrhundert soll der jüngste und schönste Torturm sein.
(siehe https://www.prenzlau.eu/cms/detail.php/land_bb_boa_01.c.386557.de)

Der Anbau neben dem Mitteltorturm wurde liebevoll zu einer Pension mit drei Doppelzimmern ausgebaut. Hier passt nahezu alles zueinander, alles ist rustikal eingerichtet. Der Holzschrank mit eingearbeiteten schwarzen Gravuren, die braun-marmoriert getünchte Wand am Kopfende des Bettes, die Schieferbeläge an der Wand, die schwarz-antike Sanitärausstattung (Dusche, Wasserhähne, Toilettenpapierhalter). Jedes Detail passt zum Stil, selbst das Muster der Vorhänge, der Papierkorb und die Bettdecke.
Eines der Zimmer heißt sogar Marienkirche und gewährt durch das Fenster direkt einen Blick auf das steinerne Monument.

Das unter Denkmalschutz stehende Dominikanerkloster, das 1275 entstand, wurde Ende 1990 umfassend renoviert und zählt lt. Betreibern zu den besterhaltenen mittelalterlichen Klosteranlagen in Nordostdeutschland. Zu besichtigen sind die Kreuzgänge, das Refektorium mit Wandmalereien, der frühere Gästespeisesaal der Mönche, die Sakristei sowie die Klosterkirche St. Nikolai. In letzterer trat 1976 der Liedermacher Wolf Biermann ein letztes Mal vor seiner Ausbürgerung aus der DDR auf. Neu hinzugekommen ist das ehemalige Waschhaus, das architektonisch alt und neu kombiniert und jetzt Platz bietet für Kunstausstellungen. Das gesamte Klosterareal beherbergt zudem ein kulturhistorisches Museum, ein gemütliches Café sowie die Stadtbibliothek (wg. Corona weitgehend auf Ausleihbetrieb beschränkt) und das Stadtarchiv. Drumherum befindet sich ein erholsamer Garten. https://www.prenzlau.eu/cms/detail.php/land_bb_boa_01.c.362837.de

Das Dominikanerkloster gehört wie auch die Kirche St. Marien und eine nahe des Mitteltorturms gelegene Franziskanerkirche zur Europäischen Route der Backsteingotik.

Weitere Kirchen in Prenzlau:
Die Kirche St. Sabinen, die ältestes Kirche der Stadt wurde im 12. Jh. gebaut und 1816 tiefgreifend umgestaltet. Der geschnitzte und in kräftigen Blaufarben restaurierte Renaissance-Altar dient zugleich als Kanzel und kann von hinten bestiegen werden.
Die katholische Kirche St. Maria Magdalena entstand 1892 im neogotischen Stil und wurde 1952 nach der Zerstörung wieder errichtet.
St. Jacobi, ein Feldsteinbau aus der Mitte des 13. Jh., brannte 1945 völlig aus. Seit 1960 befindet sich diese Kirche im Prozess des Wiederaufbaus, der noch nicht abgeschlossen ist. Die Wiederherstellung des Turms ist derzeit noch im Gange. Beeindruckend ist der Chorraum, der wie eine in Fels geschlagene Höhle wirkt und vielleicht einer Grottenkapelle nachempfunden ist.
Es bleibt noch die Heiliggeistkapelle zu nennen, die sich zwischen Marien-Kirche und Mitteltorturm befindet. Sie wurde im 14. Jh. gebaut, diente ab 1899 als Uckermärkisches Museum und wurde ebenfalls 1945 zerstört. Mit dem neuen Dach, das 2013 aufgesetzt wurde, kann das Gebäude jetzt die Funktion eines Ausstellungsorts übernehmen. https://www.prenzlau.eu/cms/detail.php/land_bb_boa_01.c.383947.de

„Stadt küßt See“, so lautete das Motto der Landesgartenschau (LGS) 2013, von der die Stadt sehr profitierte. Stadt- und Gartenplaner hatten sich ein Konzept ausgedacht, das auch die Bezüge zur Geschichte veranschaulichte sowie kreative Themengärten in einem Seepark vorsah. Diese zwölf kleinen grünen Bereiche umfassen ca. 120 bis 180 m² und sind von einer Hecke umgeben. Die Zahl zwölf steht für die Zahl der Monate eines Jahres, die zwölf Mondzyklen sowie zwölf Sternbilder des Tierkreises und soll Vollkommenheit nahelegen. Mottos dieser Minigärten waren bzw. sind es noch: Vollkommen vielfältig – bunte Typen, Kontraste und Gegensätze (hier erinnert ein Pflastermedaillon an Ying und Yang), Kussgarten, bewegter blühender Garten, Paradies-, Zement- und Duftgarten, Stettin – Energie der Stadt, Relax, Gartenfisch, Gräser und mehr sowie Lustgarten.
https://www.gartentechnik.de/termine/deutschland/brandenburg/prenzlau/lgs-prenzlau-2013/

An vielen Stellen der Stadt sind Schilder mit Erläuterungen aufgestellt, besonders im Seebereich. Nahezu mühelos eignet man sich so im Vorbeilaufen Informationen zur Geschichte von Stadt und See an. Ggf. ist diese anschauliche Erschließung noch ein Relikt der LGS.

Der Unteruckersee ist der größte See im Verlauf des Flusses Ucker und erstreckt sich auf einer Fläche von 10,3 km². Im Norden wird er von der Stadt Prenzlau gesäumt, im Westen liegen die Orte Röpersdorf und Zollchow, im Osten Seelübbe, ein malerischer Ortsteil von Prenzlau. Ein Kanal verbindet das Gewässer im Süden mit dem Oberuckersee, woran der Ort Seehausen grenzt.
Der See lockt mit glasklarem Wasser. Kein Wunder, dass darin geschwommen werden kann, zum Beispiel im Seebad, aber auch an weiteren Buchten oder ausgewiesenen Badestellen. Mit seiner seltenen Flora und Fauna gilt er als Landschaftsschutzgebiet. Im See sollen einheimische Fischarten wie Hecht, Aal, Barsch, Karpfen etc. angesiedelt sein und er sei auch bei Wasservögeln begehrt, weil er Brutmöglichkeiten bietet, liest man auf einer der Infotafeln.
Einen Eindruck von der Schönheit und Vielfalt des Seegeländes kann sich verschaffen, wer sich die Mühe macht, einen gut befahrbaren Weg knapp 30 km um den See herum zu radeln. Nicht nur der Anblick des erfrischenden Wassers, des Schilfs, der Zuckerrüben- und Getreidefelder, der Wiesen, Gräser, Sumpfflächen und Sommerblumen sowie der weithin vernehmbare Vogelgesang lohnen die schweißtreibende Mühe (es sind ein paar Steigungen dabei), sondern auch die kleinen Dörfer mit ihren Kirchen sind einen Abstecher wert. Nach getaner Radelarbeit kann man sich in Prenzlau in einem Seerestaurant oder auf einer der zahlreichen Bänke niederlassen, relaxen und die glitzernden kleinen Wellen genießen.

Etwas lauter ging es auf dem Marktplatz zu, denn dort fand ein Volksfest mit Buden, Karussellfahrzeugen und volltönender Pop-Musik statt. An eine Fassade gemalt, schien der junge Elvis Presly wie auferstanden.

Neben den zahlreichen Kirchen und der Stadtmauer gab es noch eine größere Einkaufsstraße mit ein paar Geschäften und einigen Restaurants – viel mehr kann man von der knapp 20 000 Einwohner zählenden Kreisstadt der Uckermark auch nicht erwarten.

Man wird richtig wehmütig, wenn man Prenzlau verlässt, denn die Stadt vermittelt ein Gefühl von Geborgenheit und Weite zugleich. Nochmal wiederkommen? Bestimmt!

Trauer in Würzburg

26.06.2021 in Würzburg – ein trauriger Tag. Ministerpräsident Markus Söder hat Trauerbeflaggung bis einschließlich Montag vornehmen lassen. Was ist passiert? Am Freitag abend um ca. 17 Uhr hat ein 24-jähriger Somalier ein Kaufhaus am Barbarossaplatz betreten, dort in der Haushaltswarenabteilung ein Messer entnommen und damit noch vor Ort drei Menschen (24, 49, 82 Jahre) getötet, ist auf die Straße gelaufen und hat dort weitere Menschen, insgesamt fünf schwer verletzt, zwei weitere wurde leicht verletzt. Eine Schwerverletzte schwebt mittlerweile nicht mehr in Lebensgefahr. Außer einem Jugendlichen und einem wieder aus dem Krankenhaus entlassenen Mann sind die Opfer ausschließlich Frauen, darunter ein 11-jähriges Mädchen. Couragierte Passanten versuchten den Täter mit Stühlen zu stoppen, einer hatte zum Besen gegriffen, die Polizei traf ein und streckte den Flüchtigen mit einem Oberschenkelschuss nieder. Dieser kam ins Krankenhaus, wurde dort versorgt und erstmalig vernommen. Der Tatverdächtige ist bereits in einer bayerischen Justizvollzugsanstalt untergebracht, der Haftbefehl erstreckt sich auf den vollendeten Mord in drei Fällen sowie versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung in weiteren Fällen.

Noch unklar ist das Motiv. Augenzeugen berichten, der Somalier habe im Kaufhaus beim Ausüben der Tat „Allahu Akbar“ („Allah ist groß“ gerufen) und auch bei der Vernehmung habe es Hinweise auf eine islamistische Einstellung gegeben. Bislang liegen dazu aber keine gesicherten Erkenntnisse vor. Andererseits muss ermittelt werden, inwiefern die Psyche des Täters eine Rolle gespielt hat. Er habe im Juni einen Verkehrsteilnehmer behelligt und sei in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen worden, dort jedoch wieder entlassen worden.
Der 24-jährige habe sich seit 2015 hintereinander in verschiedenen deutschen Städten aufgehalten und lebe seit September 2019 in einem Würzburger Obdachlosenheim. Er genießt subsidiären Schutz, hält sich also legal in Deutschland auf, weil die Rückkehr nach Somalia, wo Bürgerkrieg vorherrscht, nicht zumutbar wäre.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann war extra angereist, sondierte die Lage und informierte die Öffentlichkeit. Die Polizei hatte sehr effektiv eingegriffen und überwachte die Situation noch Stunden danach, um der Bevölkerung Sicherheit zu bieten. Der Tatort war völlig abgesperrt, um den Tathergang rekonstruieren zu können. Gleichzeitig gab es Entwarnung: es handele sich um einen Einzeltäter, weitere Gefahr bestehe keine. Die Rettungskräfte leisteten Übermenschliches bei der Notfallversorgung und Seelsorger standen für psychologischen Beistand bereit. Dafür wurde ein benachbartes Restaurant umfunktioniert.

Der Würzburger Oberbürgermeister war sehr betroffen und bestürzt und richtete sich in einem Brief an seine Mitbürger*innen. Er drückt den Familien der Opfer sein Mitgefühl aus und dankte allen Einsatzkräften für deren umsichtige Hilfe, zudem den Würzburger*innen, die Blumen niederlegen oder ihre Empathie mit den Opfern zeigen. Er warnte davor, das Verbrechen eines Einzelnen auf Bevölkerungsgruppen, Religionen, Staatsangehörigkeit zurückzuführen. „Auch wir Deutsche wurden nach dem Zweiten Weltkrieg nicht pauschal verurteilt“ schrieb er. Er drückte allen, die sich schon „hier und heute für das Bewahren des Friedens in unserer Stadtgesellschaft einsetzen“, seine Wertschätzung aus.
Der OB kündigte für Sonntag um 15.30 Uhr eine Gedenkfeier im Würzburger Kiliansdom an, an der neben Bischof Dr. Franz Jung, die evangelische Regionalbischöfin Gisela Bornowski, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster sowie Vertreter*innen der muslimischen Gemeinden teilnahmen.

Der Ausländer- und Integrationsbeirat Würzburg ist in Sorge wegen möglicher pauschaler Anschuldigungen, besonders die somalische Gemeinschaft fürchte, dass die Tat „Auswirkungen auf ihr Leben in unserer Stadt haben wird“, erklärte der Vorsitzende des Beirats. „Unsere gemeinsame Herausforderung ist nun, zu verhindern, dass diese Mordtat in pauschale Anschuldigungen umschlägt, und das Geschehen von zuwanderungsfeindlichen Kräften politisch instrumentalisiert wird“. Es seien vor allem auch Menschen mit Migrationshintergrund gewesen, die versucht haben, den Täter aufzuhalten und sich dabei in Lebensgefahr gebracht hätten.

(Quellen: BR24 und Mainpost online)

Ein trauriger Freitag in Würzburg – eine Messerattacke mit Toten und schwer Verletzten, Taten begangen mit unglaublicher Brutalität. Entsetzen, Trauer über die Toten, Mitgefühl mit den Verletzten und den Familien der Opfer. Hoffnung, dass die Verletzten alle überleben, bald gesund werden und die Gewalttat psychisch bewältigen können.

Trotzdem: solche Verbrechen haben nichts mit Hautfarbe, Nationalität oder Flüchtlingsstatus zu tun. Brutale Gewalttaten geschehen von links und rechts motivierten Tätern, von Deutschen und ausländischen Menschen. Wenn rechte Kräfte jetzt versuchen, das Verbrechen zu instrumentalisieren und Hetze gegen Flüchtlinge betreiben wollen, gibt es als Antwort nur ein entschiedenes Nein!
Heute liefen in Würzburg viele Dunkelhäutige herum, die traurig aussahen. Am Barbarossaplatz wurde eine Gruppe von Afrikanern interviewt, die ebenfalls sehr betroffen wirkten. Bestimmt leiden diese Menschen ganz besonders unter der Situation.

Unsere Gesellschaft hat sich verändert in den letzten Jahren, ist durch die Flüchtlingsströme durchmischter, multiethnischer geworden. Solche Strukturen mögen fragiler, anfälliger sein. Aber es gibt kein Zurück mehr. Nur, was sich verändert, bleibt.

Wichtig erscheinen eine kluge, inklusive Integrationspolitik, Verständnis, Offenheit und die Bereitschaft, eine Gesellschaft mit vielen Nationalitäten als Herausforderung zu begreifen.
Flüchtlinge haben oft Unglaubliches erlebt und suchen Schutz. Den sollen sie natürlich weiterhin auch in unserer Stadt bekommen. Nicht nachvollziehbar erscheinen Gerichtsprozesse, in denen geistliche Frauen und Männer in der Region angeklagt werden, weil sie aus Gewissensgründen Kirchenasyl gewähren.

Unsere Stadt ist vielfältig, bunt und bietet Platz für Menschen jeder Nation und jeden Glaubens, die unsere rechtsstaatlichen Werte achten. Diese stellen eine Bereicherung dar und machen unsere Kultur vielfältiger.
Wir halten zusammen, polarisieren nicht gegeneinander. Jeder ist willkommen, wir helfen einander gegenseitig.

We all together pray for Würzburg, nous sommes Würzburg!

Pfingsten 2021

Pfingsten 2021 hatte ein bischen den Charme eines nachgeholten Osterfestes. Nur das Wetter war etwas durchwachsen. Hatte man sich an Ostern just von dem Schreck erholt, dass eigentlich ein kurzer harter Lockdown hätte verhängt werden sollen, so schwebten doch die Länder-Notbremse, die Ankündigung von deren bundesweiter Verankerung sowie der dringende Appell, sich an die Auflagen zu halten, wie ein Damokles-Schwert über dem Raum. An eine Reise war an diesen Ostern (4. und 5. April 2021) sowieso nicht zu denken. In Bayern lag die 7-Tage-Inzidenz bei rund 130, in Unterfranken um die 113, in der Stadt Würzburg bei immerhin rund 75 und im Landkreis um 102. Entsprechend galten die Kontaktbeschränkungen lt. Verordnung.*

Ganz anders zu Pfingsten. In Bayern durften nun – endlich und lange ersehnt – in Kreisen und kreisfreien Städten mit einer stabilen 7-Tage-Inzidenz von unter 100, Hotels, Ferienwohnungen, Campingplätze öffnen.
Gleiches galt für Seilbahnen, die Fluss- und Seenschiffahrt sowie die Außenbereiche von medizinischen Thermen. Wer die Angebote nutzen wollte, musste einen maximal 24 Stunden alten negativen Corona-Test vorweisen können, der nach 48 Stunden zu erneuern war. Für Geimpfte, Genesene und Kinder unter sechs Jahren entfiel die Testpflicht.

In Hotels war konkret die Anreise seit Freitag, 21. Mai möglich (die 7-Tage-Inzidenz musste fünf Tage in Folge unter 100 liegen. Ab dann galten zwei Tage als Karenzzeit. Am 8. Tag durfte die Öffnung erfolgen. Diese Zeitspanne wurde lediglich vor Pfingsten auf sieben Tage verkürzt). Auch die Stadt Würzburg durfte die Hotels wieder öffnen.

Wer sich traute und einen geeigneten Ort fand, durfte also tatsächlich verreisen. Der Urlauber hatte allerdings das Risiko, dass er, sollte die Inzidenz 3 Tage lang über 100 liegen, ab dem fünften Tag wieder sein Feriendomizil verlassen musste.
Eine Civey-Umfrage für BR24 ergab, dass drei viertel der Bayern keinen Urlaub planten. Zu den Gründen sei auch die Angst vor Corona genannt worden.
http://www.br.de/nachrichten/bayern/drei-viertel-der-bayern-planen-keinen-urlaub-in-pfingstferien,SXxHrcF

Der Urlaub daheim hatte ebenso seinen Reiz. Bei einer Inzidenz unter 100 durften seit 21. Mai die Fitnessstudios wieder öffnen, ebenso Freibäder – alles mit Terminbuchung und Tests. Eine Wohltat für schmerzende Gelenke, krumme Wirbelsäulen, schlaffe Muskeln – ganz zu schweigen von der Orangenhaut, die sich gebildet hat und wieder straff werden wollte.

Schmackhaft im wahrsten Sinne des Wortes waren auch die Erleichterungen für die Außengastronomie, die unter Auflagen bereits seit 10. Mai wieder gestattet waren. D.h. bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 war es möglich, bei Terminbuchung und Negativtest sowie Einhaltung der Kontaktbestimmungen bis 22 Uhr an einem Tisch zu sitzen.
Die Stadt Würzburg hatte seit Dienstag, den 11. Mai die 7-Tage-Inzidenz von 100 so lange unterschritten, dass Öffnungen in Kraft treten konnten. Ab dem darauffolgenden Mittwoch, den 12. Mai durfte die Außengastronomie unter den genannten Auflagen wieder öffnen. Wollten Personen aus mehren Hausständen zusammensitzen (erlaubt: zwei Hausstände mit fünf Personen) wurde ein Test benötigt, bei Personen aus einem Hausstand nicht. Nur am Tisch durfte die FFP2-Maske abgenommen werden.

Ein Frühstück an Pfingstsonntag in einem Café im Freien mit weitreichendem Blick über den städtischen Platz und das dortige Treiben – welch ein Genuss. Es war zwar kühl, man brauchte eine Jacke, doch der Milchcafé wärmte schnell wieder auf. Herrlich war es, zuzuschauen, wie ein kleiner blondhaariger Junge Tauben jagte, mit vollem Eifer und kreischend ausgestoßenen Lauten sowie heftigen Scheuch-Bewegungen, als ob er Corona vertreiben wollte. Die Tauben flatterten auf, störten sich aber ansonsten kaum an der kindlichen Tyrannei.

Heute an Pfingsten war ein Gottesdienst im Freien angesagt. Natürlich musste man sich vorher anmelden und beim Eintreffen wurde in einer Liste ein Haken gesetzt. Die Stühle standen im Halbkreis mit Abstand und auf einer kleinen Bühne davor war ein Altar aufgestellt. Auf dem Podest warteten die jungen Sänger*innen voller Ungeduld auf ihren Auftritt. Die Sitzplätze füllten sich allmählich, zwischendrin waren auch ein paar Farbtupfer zu sehen. Wenn ein Rollstuhlfahrer sich dazwischenschob und den Abstand nicht berücksichtigte, musste man ein bischen beiseite rücken. Gerade er sollte die spärlichen Sonnenstrahlen genießen.

Zwischendurch kam ein starker Wind auf, das Pfingstbrausen war also zu vernehmen, auch 2021. Vielleicht war es tatsächlich der Heilige Geist, der allen zuflüstern wollte: alles wird gut? Die Predigt war lebensnah und aus dem Alltag gegriffen. Anstatt der oft viel beschworenen Einheit wurde hier eine andere Richtung eingeschlagen. Das zentrale Pfingstwunder sei nicht, dass plötzlich alle eins gewesen seien, sondern dass sich alle in ihrer Verschiedenheit verstanden hätten. Jeder darf sein, wie er ist, muss nicht zu dem werden, wie andere ihn gerne haben möchten. Der Zauber liegt in der Diversität. Der Geist will keinen Einheitsbrei, sondern Verständigung in der Vielfalt schaffen. Obwohl diese Predigt an eine persönliche Erfahrung anknüpfte, ging sie ganz konform mit der Pfingstbotschaft von Papst Franziskus, der „Harmonie in der Vielfalt“ einforderte.

Dies klang sehr wohltuend angesichts der zentrifugalen Kräfte in Kirche und Gesellschaft. Konfessionen ringen damit, aufeinander zuzugehen, Frauen kämpfen um mehr Rechte, Zugewanderte wollen sich in eine Welt integrieren, die anders ist, als die gewohnte, Gewinner der Pandemie stehen den Verlieren gegenüber, die ihre Geschäftsbasis verloren haben.

Pfingsten 2021 – wir müssen in der Ambivalenz eine Sprache finden, die uns verbindet, einen Kit, der die Gesellschaft zusammenhält, der vieles erträgt, auch heftige Erschütterungen. Ist das ein frommer Traum? Oder stecken wir vielleicht schon mitten in der Veränderung, weil wir bemerkt haben, dass wir vor allem dann überleben können, wenn wir aufeinander achten und bestrebt sind, genauso wie uns selbst, auch Andere zu schützen.

Pfingsten gilt als das Fest der Erneuerung und der Kreativität. Aus angstvollen Jüngern wurden mutige Vertreter des Glaubens. Lassen wir uns inspirieren, die hoffentlich letzte Phase der Pandemie mit Mut anzugehen, nicht zu verzagen, Einheit in Verschiedenheit zu akzeptieren, aber auch Veränderung dort anzupacken, wo es am nötigsten ist – z.B. in den Bereichen Klimaschutz und Nachhaltigkeit.

*In Landkreisen und kreisfreien Städten, in denen eine 7-Tage-Inzidenz von 100 überschritten wird, gemäß § 28b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Halbsatz 1 IfSG mit den Angehörigen eines Hausstands und einer weiteren Person;
in Landkreisen und kreisfreien Städten, in denen die 7-Tage-Inzidenz zwischen 35 und 100 liegt, mit den Angehörigen des eigenen Hausstands sowie zusätzlich den Angehörigen eines weiteren Hausstands, solange dabei eine Gesamtzahl von insgesamt fünf Personen nicht überschritten wird
https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayIfSMV_12-4

3. Ökumenischer Kirchentag – dig liital – aus Frankfurt am Main vom 13. bis 16. Mai 2021

Die Ankündigung kam eher unscheinbar daher, noch so eine virtuelle Veranstaltung – jetzt auch der ökumenische Kirchentag – wie so vieles. Bei Online-Programmen, mögen sie noch so interessant sein, besteht die Hürde, dass man sich mit der Struktur vertraut machen muss, aus zig Oberpunkten wählen, sich durchklicken muss. Ist da nicht ein Funken Interesse, so lässt man es lieber gleich.
Hier aber gab es unmittelbar einen starken Einstieg, der in jedem Fall einlud, weiter mit dabei zu sein.
Von einer Dachterrasse inmitten der Frankfurter Skyline übertrug die ARD einen ökumenischen Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt, der zugleich Auftaktveranstaltung des 3. Ökumenischen Kirchentags in Frankfurt am Main war. Die Präsidentin und der Präsident des Ökumenischen Kirchentags (ÖKT), Bettina Limperg (Deutscher Evangelischer Kirchentag) und Professor Dr. Thomas Sternberg (Zentralkomitee der deutschen Katholiken), luden die Zuschauer ein, beim virtuellen Event mit dabei zu sein. Die Predigt hielt der Prior der Gemeinschaft von Taizé, Frère Alois.
Das Motto des diesjährigen ÖKT, der zum ersten Mal 2003 in Berlin stattfand (Motto: „Ihr sollt ein Segen sein“) und ein weiteres Mal 2010 in München („Damit ihr Hoffnung habt“), lautete einfach und eingängig „Schaut hin (Mk 6,38)“. Wie wichtig es ist, ehrlich hinzuschauen, einander zu vertrauen und gemeinsam zu handeln – das sollte bei diesem ÖKT vermittelt werden.

Gedenken und Festveranstaltung am Freitag

Los ging es am Freitag um Fr 10.30 Uhr. Die Moderation und Einstimmung übernahmen Dr. Claudia Nothelle, Journalistin aus Berlin und Dr. Julian Sengelmann, Pastor, Sänger und Schauspieler aus Hamburg. Beide sollten die virtuellen Teilnehmenden durch das ganze Programm hindurch begleiten. Sie leiteten über zur Gedenkveranstaltung „Schaut hin – Jüdisches Leben in Frankfurt“. Die gesamte Geschichte jüdischen Lebens in Frankfurt vor 1933 und von 1933-1945 wurde in den Blick genommen und der Leiden durch die Shoa gedacht. Jüdisches Leben in Frankfurt nach 1945 stellte Marc Grünbaum, Vorstand der Jüdischen Gemeinde vor. Außerdem kamen Stimmen gegen Antisemitismus und Rassismus zu Wort. Die gesamte Veranstaltung war – wie viele der weiteren folgenden Programmpunkte – aufgezeichnet worden und wurde zur angegebenen Uhrzeit ausgestrahlt.
Die Begrüßung oblag wieder Bettina Limperg, Präsidentin des 3. ÖKT aus Karlsruhe und Prof. Dr. Thomas Sternberg, Präsident des 3. ÖKT aus Münster. Das Gedenken im Gebet übernahmen stellvertretend für ihre Kirchen Dr. Johannes zu Eltz, kath. Stadtdekan, Dr. Achim Knecht, ev. Stadtdekan und Julian-Chaim Soussan, Rabbiner, alle aus Frankfurt/Main.

Im Anschluss folgte das erste Hauptpodium „Was tun wir gegen Antisemitismus?“, zu dem Peter Feldmann, Oberbürgermeister der gastgebenden Stadt, begrüßte. Er leitete über zu einem Podiumsgespräch, an dem u.a. Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, teilnahm. In etwa zeitgleich wurde ein weiteres Podium unter dem Motto Üb‘-ErLeben ausgestrahlt. Bei dieser jüdisch-christlichen Dialogveranstaltung ging es um jüdisches und christliches Handeln in einer versehrten Welt. Nach einem Impuls von Julian-Chaim Soussan, Rabbiner aus Frankfurt/Main, hatten weitere Podiumsteilnehmende Gelegenheit, sich zu äußern.

Tagsüber war Pause und das Programm wurde ab 18.30 Uhr fortgesetzt, mit einer Einstimmung wurde zur Festveranstaltung übergeleitet. Die Moderation übernahmen Gesa Grandt, Jugendbildungsreferentin, Kiel und Ulrike Greim, Rundfunkbeauftragte der Ev. Kirche in Mitteldeutschland, Weimar. Auch diese beiden begleiten die Online-Gäste bei mehreren Programmpunkten. Ab 19.00 bis 20.00 Uhr hieß es „Schaut hin. Festveranstaltung des 3. ÖKT“. Dies bedeutete eine Begegnung mit Gästen aus Politik, Kirchen, Kultur und Heldinnen der Corona-Pandemie aus Frankfurt und Umgebung.
Bei der Begrüßung wechselten sich Bettina Limperg, Präsidentin des 3. ÖKT, Karlsruhe und Prof. Dr. Thomas Sternberg, Präsident des 3. ÖKT, Münster wechselseitig ab. Es folgte die Grußbotschaft des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, Berlin. In Frankfurt hießen Volker Bouffier MdL, Ministerpräsident aus Wiesbaden und der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann herzlich willkommen.
Für die beiden gastgebenden Kirchen waren Bischof Dr. Georg Bätzing, Bistum Limburg und Kirchenpräsident Dr. Dr. h.c. Volker Jung, Ev. Kirche in Hessen und Nassau, Darmstadt, eingeladen. Grüße von ökumenischer Seite entsandte Erzpriester Radu Constantin Miron, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), Brühl.

Höhepunkt des Abends war die Uraufführung des 90-minütigen ökumenischen Oratoriums EINS. Die Veranstaltung war aufgezeichnet worden und wurde zur festgelegten Uhrzeit kostenfrei ausgestrahlt.
Die Komposition des Oratoriums stammte von Bernhard Kießig, Referent für Popularmusik am Zentrum der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Bad Camberg und Peter Reulein, Kirchenmusiker im Bistum Limburg, Frankfurt/Main. „Das Besondere an der Entstehung des Stückes ist auch sein komplett ökumenischer Charakter“, sagt Eugen Eckert, Frankfurter Stadionpfarrer und Referent der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für Kirche und Sport. Gemeinsam mit Helmut Schlegel, Franziskaner und Priester (OFM, Hofheim/Taunus), hat er das Libretto für dieses Oratorium geschrieben.
Die Idee zu dem virtuosen Stück geht zurück auf Landeskirchenmusikdirektorin Christa Kirschbaum der EKHN und Diözesankirchenmusikdirektor Andreas Großmann vom Bistum Limburg, die vor drei Jahren eigens eine ökumenische Arbeitsgemeinschaft aus Kirchenmusikerinnen mit der Aufgabe begründet hatten, gemeinsame (Groß-)Projekte beim Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt zu entwickeln. Ursprünglich sollte im Frankfurter Stadion der „größte ökumenische Chor der Welt“ mit vielen tausend Sänger*innen und Musizierenden auftreten.
Die Besetzung musste entsprechend den Hygieneauflagen schrumpfen: Vier Solist*innen sangen zu den Klängen der Neuen Philharmonie Frankfurt am Main. Das rund 50-köpfige Orchester mit seiner Band spielte unter der Leitung des Wetzlarer Domorganisten Valentin Kunert. Außerdem mit dabei waren ein Chor von Studierenden der Musikhochschule Frankfurt unter der Leitung von Professor Florian Lohmann und die Frankfurter Co-Op Dance Company. Das Originalkonzept sah ein „Oratorium zum Mitsingen“ vor. Diesen Charakter sollten nun, da das nicht möglich war, Virtual Choir-Einspielungen eines Kinderchores (Frankfurter Domsingschule), eines Chores aus hauptamtlichen Kirchenmusiker*innen (Bistümer Limburg, Mainz und Fulda, Evangelische Kirchen in Hessen-Nassau und Kurhessen-Waldeck, sowie der ACK Hessen-Rheinhessen) und ein Bläserensemble der EKHN zumindest annähernd vermitteln.
Zu einem künstlerischen Ganzen wurde das Projekt unter der Regie von Uwe Hausy, Referent für Spiel und Theater der EKHN, zusammengefügt.

Der Handlungsstrang: zwei Frauen geleiten als Erzählfiguren durch die Aufführung, die sich vielfach an die Apostelgeschichte anlehnt. Die Journalistin Julia reist für eine Recherche aus der Gegenwart in die Zeit der Urchristen. Sie trifft auf Junia, die Paulus in Röm 16,7 nicht nur als Verwandte, sondern auch als herausragende Persönlichkeit unter den Apostel*innen nennt. Beide kommen in Kontakt mit den Aposteln Petrus und Paulus, erhalten Einblick in die Konflikte zwischen dem heiden- und judenchristlichen Christusverständnis. Julia erlebt, wie die jungen Gemeinden das Oster- und Pfingstgeschehen feiern – erfährt aber auch von deren Verfolgung, die zur Steinigung des Stephanus führt.

Trotz fehlendem Livecharakter vermittelte die Übertragung ein erstaunliches Echtheitserleben. Durch Musik und Tanz sowie die Ausdruckskraft der beiden Hauptdarstellerinnen übertrug sich die Emotionalität der einzelnen Szenen in spürbarer Dichte. Die Stimmung wurden so unmittelbar übertragen, dass ein Prickeln unter der Haut nicht ausblieb. Ein solch kulturelles Meisterwerk dürfte kirchliche Inhalte gerade für junge Menschen vermitteln.

Facettenreiches Programm am Samstag

Das Hauptprogramm war für Samstag vorgesehen, wohl auch deswegen, um Berufstätigen die Teilnahme zu ermöglichen. Drei Schwerpunkte waren leitend: „Alles eine Frage des Glaubens und Vertrauens?“, „Zusammenhalt in Gefahr?“ sowie „Eine Welt – Globale Verantwortung?“. Die virtuellen Veranstaltungen wurden innerhalb dieser Themen gebündelt. Es ging um 8.30 Uhr los und den ganzen Tag lang gab es rund um die Uhr Online-Veranstaltungen, viele parallel. Einige waren vorab aufgezeichnet worden, andere wurden live aus dem ÖKT-Studio / Messe Frankfurt übertragen. Eines der beliebtesten Formate war das Podium. Es gab ein Hauptpodium, aber auch viele kleine Nebenbühnen mit unterschiedlichen Schwerpunkten wie Religiöse Vielfalt, Glaube und Spiritualität, Digitale Gesellschaft, Zusammenleben, Finanzen und Wirtschaft, Internationale Verantwortung, Schöpfung und Klimakrise, Kirche und Macht sowie Ökumene. Oft wurden die einstündigen Videoclips zwischendurch von musikalischen Einlagen angereichert. Schön war, dass das Publikum sich trotz Online-Format über „Anwält*innen“ oder entsprechende Tools einbringen konnte.

Der Tag startete mit einer Stunde zur Ökumene, betitelt mit „Einheit in der Vielfalt“. Diese für den Kirchentag zentrale Thematik wurde im ÖKT-Studio live gesendet. Passant*innen aus Berlin und Itzehoe waren befragt worden, was sie unter Ökumene verstehen. Es folgten ein Fragenhagel, 100 Sekunden – Jubiläen ökumenisch gelesen, das Vaterunser in Gebärden als geistliche Unterbrechung, die Vorstellung des Ökumenischen Rats der Kirchen und Best Practice Projekte zur Ökumene. Berichtet wurde von einer App zum Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens, Berlin, dem Projek „Mit Luther zum Papst“, Magdeburg und der Simultankirche Wetzlar. Um die Taufe als verbindendes Sakrament ging es, als ein Blick in die Taufriten verschiedener Konfessionen gewagt wurde.

Parallel lief ein Podium, das mit „die Corona-Pandemie als spirituelle Herausforderung“ betitelt war. „Was motiviert und belebt uns, wovon nehmen wir Abschied?“ fragte die Moderatorin Verena Maria Kitz, Leiterin des Zentrums für Trauerseelsorge St. Michael, Frankfurt/Main. Gäste waren Dr. Katrin Brockmöller, Direktorin des Kath. Bibelwerks, Stuttgart, Dr. Frank Hofmann, Chefredakteur von Andere Zeiten, Hamburg, Bernd Lohse, Pilgerpastor, Hamburg, Markus Roentgen, Theologe und Geistlicher Begleiter, Köln, Claudia Schimmer, Religions- und Tanzpädagogin, Offenburg und Dr. Kerstin Söderblom, Hochschulpfarrerin der Ev. Studierendengemeinde, Mainz.
Dr. Frank Hofmann lieferte gleich zu Beginn eine Zusammenfassung, indem er drei Typen von Spiritualität skizzierte, die er vorgefunden hatte:

Typ Nummer 1: Die „Trotzdem-Spiritualität“ von religiös geübten Menschen, die sich neue religiösen Praxen suchen mussten. „Diese Trotzdem-Spiritualität hat zu kreativen Angeboten, gerade im Umfeld der Kirchen geführt“
Typ Nummer 2: Die „Experimentier-Spiritualität“, oft von Leuten, die nicht religiös praktizierend sind. Sie nutzten den pandemiebedingten Zeitgewinn, um etwas Meditatives oder Religiöses auszuprobieren.
Und Typ Nummer 3: Die „Hiob-Spiritualität“ von Menschen, die sich intensiv mit dem Glauben und der Frage auseinandersetzten, was uns Gott mit der Pandemie sagen will. „Das ist sicher eine ganz hohe Form von Spiritualität, dass man zwar das Leid nicht gemindert und keine Antwort auf die Fragen bekommt, aber in dem Fragen dann doch eine Stimme aus der Transzendenz hört“, erklärt Hofmann.
(vgl. https://www.br.de/nachrichten/kultur/die-kirchen-und-die-corona-pandemie-lehrt-not-beten,SXUNBiV)

Ebenfalls live aus dem Studio, vielleicht weil besonders passend zum diesjährigen Format des ÖKT, diskutierte man in einer Stunde zur Digitale Gesellschaft von „Apps, Algorithmen und Aufbrüchen“. Es ging um das Making-of zum digitalen ökumenischen Oratorium, faire Digitalisierung weltweit, Beratung 2.0 und „alle in einem Netz – digitale Teilhabe“ (Ingo Dachwitz, Redakteur netzpolitik.org, Berlin und Julia Probst, Bloggerin und Aktivistin für digitale Barrierefreiheit, Weißenhorn). Auf einen Ebbelwoi mit … war Dorothee Bär MdB, Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung, Berlin gekommen.

Eine Gesprächsrunde befasste sich in einer Stunde zu Finanzen und Wirtschaft mit „Markt Macht Moral“. Ist Geld anlegen unmoralisch? wurde u.a. Jörg Eigendorf, Konzernsprecher der Deutschen Bank, Leiter Kommunikation und Nachhaltigkeit, Frankfurt/Main gefragt. Wie Ethisches Investment geht, erläuterte Jutta Hinrichs, Stabstelle Ethik und Nachhaltigkeit der Pax-Bank, Köln. Dass es auch Solidarität in der Corona-Pandemie gibt, stellte Dr. Charlotte Eisenberg, Pfarrerin, Frankfurt/Main unter Beweis und als prominenter Gast war Armin Laschet MdL, Ministerpräsident aus Düsseldorf zugeschaltet.

Unter der gleichen Kategorie war die Diskussion „Europäische soziale Marktwirtschaft – Die Corona-Pandemie als Herausforderung für ein solidarisches Europa“ verortet werden. Jens Spahn MdB, Bundesgesundheitsminister, Berlin, dürfte für hohe Zuschaltquoten gesorgt haben. Doch auch die weiteren Gäste sorgten für eine interessante Diskussion:

Dr. Sylvie Goulard, Publizistin und Mitbegründerin von United Europe, Paris/Frankreich
Landesbischof Dr. h.c. Frank Otfried July, Vorsitzender der Kommission für Europafragen der Ev. Kirche in Deutschland (EKD), Stuttgart
Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck, Vizepräsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union, Essen
Die Moderation hatte Dr. Ursula Weidenfeld, Wirtschaftsjournalistin Potsdam übernommen.

Wer zahlt die Rechnung der Corona-Pandemie? Diese Frage brennt sicher vielen auf den Nägeln. Von Olaf Scholz MdB, Bundesfinanzminister, Berlin, wurde hierauf qua Amt eine Antwort erwartet. Es diskutierten Ulrich Caspar, Präsident der Industrie- und Handelskammer, Frankfurt/Main, Stella Martin, Ökonomin, Münster, und Eva M. Welskop-Deffaa, Vorstand Sozial- und Fachpolitik des Deutschen Caritasverbands, Freiburg. Der BR griff Äußerungen von Bundesminister Scholz auf und schrieb: „Soli-Zahler sollen Teil der Krisen-Kosten tragen… Rund 450 Milliarden Euro wurden insgesamt an Krediten aufgenommen. Um die Kosten zu refinanzieren, will der Finanzminister den übrig gebliebenen Solidaritätszuschlag verwenden.“
https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/scholz-soli-zahler-sollen-teil-der-krisen-kosten-tragen,SXUqVPQ

Die Corona-Thematik unter einem anderen Gesichtspunkt behandelte das Podium „Corona-Pandemie und internationale Gesundheitspolitik“ (Schwerpunkt Internationale Verantwortung). Mit dabei waren:

Heiko Maas MdB, Bundesaußenminister, Berlin
Bischof Johannes Bahlmann OFM, Obidos/Brasilien
Dr. Hiyam Marzouqa-Awad, Kinderkrankenhaus Bethlehem, Palästinensische Gebiete
Dr. Gisela Schneider, Direktorin des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission, Tübingen
Dr. Assitan Soumaré, Ärztin am Sozial-medizinischen Zentrum Bamako/Mali
Moderation: Carolin Kronenburg, Pressesprecherin von Adveniat, Essen

Angesichts des neu aufgeflammten Konflikts zwischen Israel und der Hamas war der Beitrag „Wie gelingt Friedenssicherung in einer unsicheren Welt?“ von großer Aktualität. Die Moderation hatte mit Dr. Thomas de Maizière MdB, Bundesminister a.D., Berlin, ein erfahrener Politiker inne. Weitere Gäste waren

Alina Giesen, Politikwissenschaftlerin, Marburg,
Carolin Hillenbrand, Politikwissenschaftlerin und Theologin, Münster
Elisabeth Kaneza, Politikwissenschaftlerin und Juristin, Potsdam
Maike Awino Rolf, Friedens- und Konfliktforscherin und Mediatorin, Bonn
Jens Stoltenberg, Generalsekretär der NATO, Brüssel/Belgien

Vgl. auch: Generationendebatten zu Klima und Friedenssicherung – von „Vertrauensbetrug“ und Vertrauensaufbau (PM der Veranstalter vom 15.5.21) https://www.oekt.de/presse/nachrichten/pm-vertrauensbetrug-und-vertrauensaufbau

Ein deutlicher Fokus des ÖKT lag bei Fragen zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz. In „Eine Stunde zu Schöpfung und Klimakrise“ wurde – der Bedeutung des Themas entsprechend – wieder live im ÖKT-Studio gefragt „Sind wir noch zu retten?“. Es ging um Themen wie: Was bedeutet große Transformation?, wir brauchen Bauern und Bienen – die Verantwortung von Politik und Gesellschaft (Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft, Otzberg), die Verantwortung der Verbraucherinnen (Projekt Gläsernes Restaurant) und Verkehrswende, wann kommst du? (zum letzen Thema war Tarek Al-Wazir, Wirtschaftsminister aus Wiesbaden eingeladen, unterstützt wurde er von Julia Wäger, Referentin für Ökologie bei der Kath. Landjugendbewegung Deutschlands, Bad Honnef).

Ein weiterer Beitrag zum Thema Schöpfung und Klimakrise war „For Future! Wege aus der Klimakrise“. Beim prominenten Gast Annalena Baerbock MdB, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Berlin haben sicher viele sehr genau hingehört.

„Zukunft geht nur gemeinsam: Warum Klimaschutz alle Generationen braucht“ war ein vom BR moderierter Beitrag (Dr. Katja Wildermuth, Intendantin des Bayerischen Rundfunks, München). In dem 70-minütigen Gespräch lieferten sich unter anderem Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und Luisa Neubauer, Klimaaktivistin, Fridays for Future, Hamburg, einem Schlagabtausch.
Bundeskanzlerin Merkel sieht reiche Industrieländer wie Deutschland in einer besonderen Verantwortung für die Klimawende. Beim Ökumenischen Kirchentag musste sie sich trotzdem Kritik von Luisa Neubauer anhören. Diese zeigte sich lt. einer PM der Veranstalter irritiert, dass offenbar erst gehandelt werde, wenn ein Gericht die Politik dazu zwinge. Sie selbst habe „eigentlich niemals vorgehabt, eine Verfassungsbeschwerde gegen die Bundesregierung einzureichen, auch nicht die anderen, die mit mir geklagt haben. Ich hatte auch nicht vor, Klima-Aktivistin zu werden“. Aber die Bundesregierung habe „Klimaschutz nicht nur über Jahre verschlafen, sondern blockiert. Das war Vertrauensbetrug“. Auch Daniela Ordowski, Bundesvorsitzende der Katholischen Landjugendbewegung Deutschlands, ärgerte sich, „dass wir die Bundesregierung erst verklagen müssen, damit sie sich für unsere Grundrechte einsetzt“.
Weitere Teilnehmende dieser Diskussion waren Prof. Dr. Dr. h.c. Ortwin Renn, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung, Potsdam; Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Nachhaltigkeitsforscher, Oberbürgermeister von Wuppertal. Die Zuschauer*innen waren aufgerufen über Twitter und Facebook sowie den Hashtag #oekt Ihre Fragen einzubringen.
(vgl. https://www.br.de/nachrichten/kultur/kirchentag-merkel-nimmt-reiche-laender-beim-klima-in-die-pflicht,SXStcJy sowie die PM der Veranstalter vom 15.5.: https://www.oekt.de/presse/nachrichten/pm-vertrauensbetrug-und-vertrauensaufbau)

Ein weiteres interessantes Format war die Reihe „Im Gespräch“. Es bestand Gelegenheit, bekannte Persönlichkeiten kennenlernen und eigene Fragen über ein Umfragetool einzureichen. So wurden zum Beispiel die beiden Vertreter der beiden großen Kirchen Bischof Dr. Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Limburg und Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der Ev. Kirche, befragt.
Bischof Bätzing ist in den letzten Wochen vor allem durch seine Offenheit und Bereitschaft zu Reformen aufgefallen, z.B. sucht er nach Wegen, um die vom Vatikan verbotene Segnung für Homosexuelle zu ermöglichen.
https://www.br.de/nachrichten/kultur/bischof-baetzing-strebt-segen-fuer-homosexuelle-paare-an,SXTQEcs

Bei Kirchentagen darf die Bibelarbeit nicht fehlen. Auch bekannte Persönlichkeiten wie Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz Malu Dreyer, die Lyrikerin Nina Gomringer oder die bekannte Bischöfin i.R. Margot Käßmann (Dr. Dr. h.c.) hatte sich dafür gewinnen lassen.

Skizziert wurde nur eine subjektive Auswahl der mehr als 100 digitalen Veranstaltungen. Wer diesen nachnutzen oder nach weiteren interessanten Beiträgen suchen möchten, kann dies noch bis Ende 2021 in der Mediathek tun, die übersichtlich gegliedert, einen einfachen Einstieg bietet.

Mit besonderen Gottesdiensten gab der 3. Ökumenische Kirchentag am Samstagabend ein Signal der Hoffnung für die Ökumene in Deutschland. Katholisch, evangelisch, freikirchlich und orthodox wurde gefeiert, Christ*innen der je anderen Konfessionen waren eingeladen.
Der BR fand dies so sensationell, dass er eine Beitrag betitelte: „Gemeinsames Mahl: Darum könnte der Kirchentag historisch werden“.
https://www.br.de/nachrichten/kultur/gemeinsames-mahl-darum-koennte-der-kirchentag-historisch-werden,SXUeaTN

Diese Einladung an alle ist Bruch mit den Vorgaben des Vatikans. Die Unterschiede im Eucharistie- und Amtsverständnis seien „noch so gewichtig“, dass sie eine Teilnahme katholischer und evangelischer Christen an der Feier der jeweils anderen Konfession derzeit ausschlössen, hieß es in einer Stellungnahme der Glaubenskongregation im Oktober. Der Limburger Bischof Georg Bätzing meinte hingegen: „Wir wollen auch in der Frage von Abendmahl und Eucharistie, soweit es geht, aufeinander zugehen. Wir wollen Zeichen der Einheit setzen.“ Die Formulierung „ökumenisch sensibel Abendmahl feiern“ könnte künftig auch im Alltag der Gemeinden gebräuchlich werden. Der renommierte Ökumenische Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen hat vor dem Kirchentag eine wechselseitige Teilnahme an Eucharistie und Abendmahl mit guten theologischen Gründen für vertretbar gehalten. Am Ende entscheide darüber das Gewissen des Einzelnen, nicht der Priester oder die Pfarrerin.

Weitere Infos: „Kommt und seht!“ – Gottesdienste geben Zeugnis vom Stand der Ökumene (PM der Veranstalter vom 16.5.21) https://www.oekt.de/presse/nachrichten/pm-kommt-und-seht-1

Am Samstag abend war ein riesiges Kulturprogramm „Willkommen in Frankfurt am Main!“ angesagt, das von 20 bis 23.30 andauerte. https://www.oekt.de/index.php?id=188#keyword/124

Abschluss am Sonntag

Am Sonntag wurde der Abschluss gefeiert. Nach der Einstimmung mit Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier von der Weseler Werft folgte der Schlussgottesdienst des 3. ÖKT unter den Leitworten „Schaut hin – blickt durch – geht los“ von der dortigen Bühne.

Ab hier (Kursivdruck) die offizielle PM der Veranstalter vom 16. Mai 2021 im Wortlaut

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier freute sich, welch „wunderbarer Anblick“ die versammelten Menschen nach den zurückliegenden Wochen und Monaten der Pandemie für ihn seien. Er rief dazu auf, insbesondere die sozial Schwachen, die, die für andere hart schufteten, die Einsamen und Menschen, die Gewalt erfahren, nicht aus dem Blick zu verlieren. Auf das Leitwort des ÖKT bezogen mahnte er, auch weiterhin hinzuschauen: „Wir müssen Wunden heilen, die Corona in unserer Gesellschaft geschlagen hat.“ Die zunehmende Entfremdung der Menschen im Blick, fügte er hinzu: „Die Zukunft gewinnen wir nicht im Streit miteinander. Wir müssen Brücken bauen, zwischen Menschen und Gruppen, die die Pandemie verfeindet hat. Wir müssen nicht einer Meinung sein, aber wir brauchen einander.“
Den Gottesdienst leiteten gemeinsam Erzpriester Radu Constantin Miron, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), der Limburger Bischof Georg Bätzing und Volker Jung, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Es predigte ein Frauen-Duo: Mareike Bloedt, Pastorin der Ev.-methodistischen Kirche, und die Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen, Schwester Katharina Ganz. Beide thematisierten eine neue Gerechtigkeitsdebatte, ausgelöst durch die Corona-Pandemie. Bloedt gab sich zuversichtlich: „Mitten in der Krise geht Gott mit. Er lädt sein Volk dazu ein, alles gerecht zu teilen.“ Ganz ermutigte, tatkräftig selbst für Gerechtigkeit zu sorgen: „Drücken wir uns nicht vor der Verantwortung! Wir machen einen Unterschied, wenn wir für Menschen sorgen.“
Die ÖKT-Präsidentin Bettina Limperg und der ÖKT-Präsident Thomas Sternberg formulierten gemeinsam die Botschaften des 3. ÖKT, indem sie dazu aufriefen, sich als Christ*innen für den Erhalt der Lebensgrundlagen künftiger Generationen einzusetzen, sich gegen Hass und Hetze zu stellen, die Würde des Menschen weltweit zu achten und danach zu handeln. Feindseligkeiten, Nationalismen und Machtmissbrauch sei entschieden und laut entgegenzutreten. Ganz besonders wurde den Menschen in Israel und Palästina gedacht und zum Dialog auch in scheinbar ausweglosen Situationen ermutigt.

Sehr konkret war die dringende Bitte, die Verlierer der Corona-Krise nicht aus dem Blick zu verlieren: „Als Christinnen und Christen setzen wir uns ein für Menschen, die durch die Pandemie in seelische oder wirtschaftliche Not geraten sind. Jede und jeder ist gefordert, zu helfen. Schaut hin!“ Und zum Aufbruch aus diesem ÖKT hinein in den Alltag formulierten beide: „So brechen wir auf, motiviert durch die reiche ökumenische Erfahrung. Gestärkt durch die Einladung Christi an seinen Tisch gehen wir in die Welt.“
Zum Ende des Gottesdienstes luden Bischof Gebhard Fürst, Bistum Rottenburg-Stuttgart, und der Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, Heinrich Bedford-Strohm, zum 102. Katholikentag in Stuttgart (25.-29. Mai 2022) und zum 38. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Nürnberg (7.-11. Juni 2023) ein.
Zum Abschluss der rund 100 digitalen Veranstaltungen des 3. ÖKT und der knapp 400 gemeldeten dezentralen Angebote zogen Veranstalter und gastgebende Stadt ein positives Resümee. Oberbürgermeister Peter Feldmann blickte zufrieden zurück: „Bei diesem Ökumenischen Kirchentag war wegen der Pandemie vieles anders. Und doch ist sich der Kirchentag treu geblieben. Er stand und steht für intensive Debatten und interreligiösen Austausch. Der 3. Ökumenische Kirchentag hat gezeigt, dass digitale Räume nicht anonym sein müssen. Auch sie sind Orte des menschlichen Miteinanders. Mit Abstand Begegnungen ermöglichen – dieser Herausforderung haben sich die Macher erfolgreich gestellt. Als Frankfurter Oberbürgermeister bin ich stolz, dass wir Gastgeber dieses ganz besonderen Kirchentages sein durften.“

https://www.oekt.de/presse/nachrichten/pm-bilanz

Der 3. Ökumenische Kirchentag war also anders – konzentrierter und digitaler. Vom 13.–16. Mai 2021 wurden mehr als 100 digitale Veranstaltungen aus Frankfurt gesendet.
Es seien 165.000 Zugriffe auf Livestreams und 155.000 Zugriffe auf Downloads gezählt worden. Gekostet habe das Laienfest, das sich vor allem durch staatliche und kirchliche Zuwendungen sowie Sponsorengelder finanziert, etwa 18 Millionen Euro, wie Finanzvorstand Stephan Menzel mitteilte.
Aber auch dezentral fanden Aktionen und Gottesdienste in ganz Deutschland statt. Trotz aller Einschränkungen sollten sich vielfältige Formen von Begegnung – soweit unter Hygieneauflagen möglich – auch vor Ort ergeben.
Zum ÖKT eingeladen wurde vom Bistum Limburg, der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen. Unterstützung erfolgte durch die gastgebenden Kirchen, der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, den Bistümern Fulda und Mainz sowie der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Hessen-Rheinhessen (ACK).
Konkrete Pläne für einen weiteren Ökumenischen Kirchentag gebe es bislang nicht.
vgl. https://www.tagesschau.de/inland/oekumenischer-kirchentag-abschluss-101.html

In der Stadt Frankfurt flankierte ein Kunstwerk an der Hauptwache den Ökumenischen Kirchentag. Es handelte sich um eine blaue Installation aus vier Teilen in unterschiedlichen Höhen, die nach Angaben der Veranstalter der Berliner Designer Philip Wilson geschaffen hatte. Die blaue Farbe habe den Himmel symbolisiert, in dem nach christlichem Verständnis Hierarchien keine Rolle mehr spielten. Auf den unterschiedlichen Stühlen durfte unter Hygieneauflagen Platz genommen werden. Bei der Aktion „Tischlein deck dich“ gestalteten vom 8. bis 16. Mai 15 Vereinigungen und Einrichtungen die 28 mal 8 Meter große und zwei Meter hohe Riesentafel von 9 bis 19 Uhr mit einer Botschaft.
https://www.evangelisch.de/inhalte/185929/07-05-2021/installation-tischlein-deck-dich-zum-oekumenischen-kirchentag-frankfurt-mai-2021

Blick über die Landesgrenze – wie wurde Urlaub in Eckernförde wieder möglich?

Die Schlei-Region mit Eckernförde, Nordfriesland mit der Insel Sylt, die innere Lübecker Bucht sowie die Gemeinde Büsum zählten zu den Modellregionen, die unter strengen Auflagen in Schleswig-Holstein für den Tourismus öffnen durften. Diese Entscheidung hatte die „Task Force Tourismus“ (Tourismusministerium, Tourismusverband sowie u.a. die IHK Schleswig-Holstein, der DEHOGA, Städteverband und Landkreistag) aufgrund der vorliegenden Bewerbungen getroffen.
Jede der vier Modellregionen hatte eigene Regeln aufgestellt, an die sich Urlauber und Betriebe halten mussten. Auch die Starttermine und Laufzeiten waren unterschiedlich. Ebenso ließ das Konzept des Landes Schleswig-Holstein die Option offen, die Projekte zu verlängern, falls der Verlauf erfolgversprechend ist.

Eckernförde wählte die Jury deswegen aus, weil das von Touristen zahlreich besuchte Ostseebad städtische Strukturen sowie tagestouristische Aktivitäten aufweise. Außerdem gefiel das gut ausgearbeitete Konzept des Ostseebades und der gesamten Schleiregion. Die Öffnung sollte sich vor allem auf Beherbungsbetriebe konzentrieren. Dadurch sollte ein praktischer Beweis für die Einschätzung des Robert-Koch-Instituts erbracht werden, dass dieser Bereich ein niedriges Risiko darstelle. Man könne daraus Erkenntnisse für andere Orte ableiten.
In Eckernförde war die Laufzeit von 19. April bis 16. Mai 2021 terminiert. Bedingung, um überhaupt in einem Hotel Einlaß zu finden, ist für alle Urlauber ab 12 Jahren die Vorlage eines negativen Test-Ergebnisses (Antigen-Schnelltest reicht aus). Der Corona-Test muss vor der Abreise im Heimatort gemacht und das negative Ergebnis dem Gastgeber schriftlich vorgelegt werden. Es darf nicht älter sein, als 48 Stunden. Nur im Notfall kann vor Ort noch schnell getestet werden. Nach 2 Tagen muss ein erneuter Test beim Hotel vorgelegt werden. Weitere Tests sind keine Vorgabe, allerdings praktisch, weil nur mit einem aktuellen (max. 48h alten), negativen Testergebnis auch die am Projekt teilnehmenden Gastronomiebetriebe samt Innenbereichen sowie Freizeiteinrichtungen besucht werden dürfen.
Es gilt die Landesverordnung und demnach dürfen maximal 5 Personen aus 2 Haushalten zusammen reisen oder 1 Haushalt, unabhängig von der Personenanzahl.
Jede*r Urlauber*in sollte sich bewusst sein, dass es sich um ein Experiment handelt. Es wurde angekündigt, dass im Falle eines starken Anstiegs der Infektionszahlen auch ein vorzeitiger Abbruch möglich ist. Restaurants, Cafés, Campingplätze, Ferienhäuser, Hotels und andere Betriebe hätten in diesem Fall schließen, Urlauber vorzeitig abreisen müssen.
Doch es gab noch weitere Auflagen neben der Testpflicht. Gäste mussten im Vorfeld in einer Einwilligung unterschreiben, dass

  • sie am Modellprojekt teilnehmen.
  • sie bei positivem Test unverzüglich die Heimreise im eigenen Fahrzeug antreten oder sich im Notfall in der Ferienunterkunft in Quarantäne begeben (gegen Übernahme der Mietkosten).
  • sie der Erfassung, temporären Speicherung und Verarbeitung ihrer Daten im Rahmen des Modellprojektes zustimmen.
  • sie mit der Weiterleitung dieser Daten an die örtlichen und heimischen Gesundheitsämter einverstanden sind.
  • sie sich verpflichten die Luca-App zur Kontaktnachverfolgung zu nutzen.
  • sie nach Rückkehr an den Heimatort innerhalb der letzten drei Wochen erlittene Coronainfektion an das im Modellprojekt zuständige Gesundheitsamt zu melden.

Das sind strenge Auflagen. Die Medien berichteten, dass der Ansturm zu Beginn trotzdem groß gewesem sei. Die Bevölkerung von Eckernförde war anfangs skeptisch und befürchtete, die Touristen könnten das Virus einschleppen. Immerhin bestand Maskenpflicht und die Menschen hielten sich einsichtig daran.

Bereits zum Ende der Laufzeit stand fest, dass Eckernförde – wie alle Modellprojekte – wegen der landesweiten Lockerungen ab 17. Mai freiwillig das touristische Modellprojekt beenden würde, auch wenn das Wirtschaftsministerium den Verlängerungsantrag der Stadt bereits genehmigt hatte. Ab dem genannten Datum öffnet Schleswig-Holstein sein Land insgesamt wieder für Urlauber.
Max Triphaus, der Chef der Ostseefjord Schlei GmbH sagte: „Ich finde es super, dass wir am Montag von der Modellregion in die Landesverordnung wechseln. Das war unser Ziel – und das hat toll geklappt. Wir haben durch dieses Projekt einen tollen Imagegewinn und bundesweite Aufmerksamkeit erfahren. Für uns rundum ein Erfolg“.
Das gilt auch für Eckerförde*. Das Ergebnis der vorgeschriebenen wissenschaftlichen Begleitung: bislang haben sich weder Personal noch Gäste mit Corona infiziert. Die 7-Tage-Inzidenz lag am 15.5. bei 25,5. Ursächlich waren neben räumlich-strukturellen Bedingungen wohl das engmaschige System der Testungen sowie das Hygienekonzept.
Für die größere Gastronomie hat sich die Teilnahme am Modellversuch offenbar auch wirtschaftlich gerechnet, kleinere Betriebe hingegen hätten aufgrund des hohen zeitlichen Mehraufwandes (Kontakte nachverfolgen, Coronatests prüfen, Abstände einrichten, Begrenzung der Personenzahl an den Tischen) zum Teil die Teilnahme gescheut.
In Eckernförde sollen nun die gleichen Regeln gelten, wie im ganzen Land (Berücksichtigung von Impfungen und Genesungen von einer Infektion). Was vom Modellprojekt bleiben wird, ist der Einstiegstest als Bedingung. Danach aber müssen Gäste und im Tourismusbereich Beschäftigte nur noch alle 72 Stunden zur Teststation. Auch die umfassende Datenmeldepflicht entfällt nun. Aus medizinischer Sicht allerdings wird bedauert, dass die wissenschaftliche Begleitung weitgehend eingestellt wird. Man könne bei einem Anstieg der Neuinfektionen folglich nicht mehr nachvollziehen, wo diese entstanden sind (sind es tatsächlich die Touristen? Welche Bereiche sind Ansteckungsherde?).

Viele Hotels dürften dankbar über die Öffnungen gewesen sein, denn Gäste und Tourismus sind d i e Einnahmequelle. Recherchen ergeben, dass mancherorts für die Gäste drei Frühstücksschichten angeboten werden. Außerdem wird die Belegung der Tische so organisiert, dass Abstand gehalten werden muss.
Wer schon einmal in Norddeutschland Urlaub gemacht hat, kennt die Freundlichkeit der Menschen generell und der im Tourismus Beschäftigten im Besonderen. Die gute Stimmung springt sofort über und vermittelt Urlaubslaune. Diejenigen, die sich getraut haben, beim Modellprojekt mitzumachen, wurden sicher sehr herzlich aufgenommen – soweit es trotz der bürokratischen Vorgaben eben ging.

*https://www.zdf.de/nachrichten/video/panorama-modellprojekt-eckenfoerde-100.html

Weitere Quellen:`
https://www.spiegel.de/reise/deutschland/modellprojekt-schleiregion-wie-sicher-ist-der-urlaub-auf-probe-a-20fc5e39-c44b-4f23-a0f5-c3f55e6e70e5

https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/coronavirus/Corona-Test-als-Eintrittskarte-Eckernfoerde-empfaengt-Touristen,eckernfoerde422.html

https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/coronavirus/Alle-Tourismusmodellregionen-im-Land-steigen-aus-Projekt-aus,modellregion158.html

https://www.ostseebad-eckernfoerde.de/files/downloads/Modellprojekt%202021/AV%20Modellregion%20Eckernf%C3%B6rde.pdf

Corona-Chronik Teil 4: Januar bis April 21

Während der „Endlosschleife Lockdown“ und nach den Lockerungen mit Notbremse seit 8. März scheint in den ersten vier Monaten des neuen Jahres 2021 nicht viel passiert zu sein – Warten, Warten, Warten. Doch wenn man genauer hinschaut, so entdeckt man feine Nuancen der Veränderung von Monat zu Monat.

Januar

Bereits Ende 2020 hatte sich das bayerische Kabinett – vielleicht um die Dramatik zu steigern – Termine am Sonntag für Sitzungen herausgesucht. Dies setzte sich 2021 an einem Feiertag fort. Am Mittwoch, 6. Januar – also Dreikönig! – gab es erneut eine Zusammenkunft, die in einen Ministerrats-Beschluss und die Verordnung zur Änderung der 11. BayIfSMV (08.01.2021) mündete. Bibliotheken, die sich schon gefreut hatten, weil Click & Collect (Abholung von Vorbestellungen) im Handel wieder möglich sein sollte, wurden enttäuscht: Sie waren hiervon zunächst ausgenommen und mussten sich weiterhin mit Liefer- und Bringdiensten begnügen.
Eine besonders hervorhebenswerte Variante war in der Stadtbücherei Würzburg anzutreffen, die mit den lokalen Radboten kooperierte und so dem Prinzip der Nachhaltigkeit vorbildlich gerecht wurde.
Am 20.1.2021 war es endlich soweit – der Service „Click & Collect“ wurde lt. Kabinettsbeschluss für Bibliotheken in Bayern analog zum Handel zugelassen.

„Ich habe mich mit aller Kraft dafür eingesetzt, dass Click & Collect in allen öffentlich zugänglichen Bibliotheken Bayerns wieder möglich sein wird …“, so Bernd Sibler, MdL, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst. Auch der Bayerische Bibliotheksverband e.V. (BBV) in Gestalt seines Vorsitzenden Dr. Gerhard Hopp hatte sich für die Neuregelung eingesetzt und begrüßte die Entscheidung des Bayerischen Kabinetts sehr. Letztlich sollte es vor allem darum gehen, Familien, Student*innen und Schüler*innen während der Fortsetzung des Lockdowns zu unterstützen.

Allmählich wagten sich die Bibliotheken aus der Deckung und entwickelten gemäß den rechtlichen Bestimmungen*, eine nach der anderen, Hygienekonzepte. Dabei gab es sehr unterschiedliche Vorgehensweisen: Terminvereinbarung via E-Mail, Telefon, über Formulare oder ein Online-Programm zur Terminbuchung. Ideal war es, wenn Medien kontaktlos über das Fenster ausgegeben und zurückgenommen werden konnten. Die Leser*innen blieben draußen und mussten die Bibliothek nicht betreten. Andere Bibliotheken stellten Bücherwägen im Windfang des Haupteingangs auf oder legten die Medien im Flur ab.
Einige Bibliotheken boten die Services „Click & Collect“ und Lieferservice nach wie vor parallel an, andere haben mit Einführung des Abholservices den Bringdienst eingestellt.
Viele Bibliotheken verlängerten die entliehenen Medien pauschal, so dass die angebotene Rückgabemöglichkeit über Regal, Klappe, Box etc. nicht zwingend genutzt werden musste. Wichtig waren Reinigung/Desinfektion, manche berichten von einer „Quarantäne“ oder es gab gar keine Rückgabemöglichkeit, Versäumnisbebühren konnten ausgesetzt werden. Leseausweise wurden unkompliziert via E-Mail verlängert oder neu ausgestellt, offene Gebühren überwiesen oder nach der Wiederöffnung der Bibliothek vor Ort beglichen.

Februar

So war für den Februar eine befriedigende Lösung geschaffen, den Lesebedarf der Bibliotheksnutzer*innen zu stillen. Freilich war das Packen der Lesetaschen mit viel Aufwand seitens des Personals verbunden, den die Bibliotheksmitarbeiter*innen aber gerne in Kauf nahmen. Bequemer als die Medien selber ausliefern zu müssen, war diese Service-Möglichkeit allemal. Zumal Ende Januar und Anfang Februar Schnee und Kälte die Fortbewegung und den Aufenthalt im Freien nicht gerade erleicherten.
Am 10. Februar 2021 haben Bund und Länder die Corona-Maßnahmen nochmal bis zum 7. März 2021 verlängert. Auch wenn der allgemeine Frust über die langen Schließungen stärker wurde, Bibliotheken konnten mit dem Zugeständnis, einen Abholservice ermöglichen zu können, erstmal zufrieden sein.

Selbst bei Kitas und Schulen ist etwas Bewegung eingetreten: Kindertageseinrichtungen wurden ab 22. Februar 2021 geöffnet. In Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer 7-Tages-Inzidenz von über 100 blieben sie geschlossen. Ebenfalls ab 22.02.21 wurde für die Jahrgangsstufen 1 bis 4 der Grundschule und der Förderschule sowie alle Abschlussklassen Wechselunterricht oder Präsenzunterricht mit Mindestabstand zugelassen. Für die übrigen Jahrgangsstufen und Schularten blieb es weiterhin bei Distanzunterricht. In Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer 7-Tages-Inzidenz von über 100 sollte in jedem Fall Distanzunterricht stattfinden.

Besonders in die Geschichte eingehen dürfte der Karneval 2021, der nicht stattfinden durfte. Kein Wunder, hatte sich doch eine Karnevalssitzung in Heinsberg 2020 als Superspreader-Event entpuppt. Normalerweise beginnen die Faschingstage mit der Weiberfastnacht, die 2021 am 11.02. gefeiert worden wäre. Rosenmontag war der 15.02. und mit dem Faschingsdienstag endete am 16.02.2021 der Phantomkarneval.
Die „Fastnacht in Franken“ in Veitshöchheim lief in diesem Jahr ganz anders ab, als sonst, vor allem: ohne Publikum. Was fehlte, waren die Gesichter der Promis aus Politik, Gesellschaft, Kirche, deren Mimik, zwischenzeitlich kurz eingeblendet, viel darüber verrät, wie das soeben Gehörte angekommen ist. Herzhaftes Lachen – da nimmt jemand „einen Angriff“ mit Humor, eher süßsaures Lächeln, da ist jemands Ego doch ein bischen angekratzt. Diese zweite Kulisse, fast so interessant, wie das Hauptprogramm, hat 2021 gänzlich gefehlt. Die Kultsendung des Bayerischen Rundfunks wurde ausnahmsweise nicht live ausgestrahlt, sondern mit Hygienekonzept und Corona-Tests aufgezeichnet und gesendet. Der Bayerische Rundfunk und das Uniklinikum Würzburg hatten in Kooperation die Schutzauflagen entwickelt. Vor allem die Auftritte der Gardetänzerinnen und Musikkapellen war nicht ganz einfach zu organisieren, denn Gruppen durften nicht gemeinsam auf der Bühne stehen.
Fastnacht in Franken (BR)
dito. – zum ersten Mal ohne Zuschauer (BR)
„Die Faschingszeit ist heuer nahezu beschränkt auf ein paar tapfere Jecken und Vereine, die trotz Pandemie online etwas auf die Bühne stellen. Egal ob Fasching, Fastnacht oder Karneval – alles fällt aus“, dieses etwas traurige Fazit zog die Mainpost am 14.2.

Die Jeckenstadt Köln gab sich das Motto „Der nächste Karneval kommt. Köln hält durch. Gemeinsam.“ Wegen der Corona-Pandemie fiel der Sitzungs- und Straßenkarneval in der Session 2021 nahezu komplett aus. Klassische Karnevalssitzungen oder Partys konnten ebensowenig stattfinden wie Karnevalszüge mit Menschenaufläufen in der bekannten Form. Allerdings hatte sich auch hier das Karnevalkomitee etwas besonderes einfallen lassen – den wohl außergewöhnlichsten Rosenmontagszug, den Köln je gesehen hat. Bedingt durch die Coronapandemie, inszenierten die Organisatoren gemeinsam mit dem Hänneschen-Theater einen Miniaturumzug mit Jecken und Wagen im Stockpuppenformat, der Poppezoch wurde sogar im TV ausgestrahlt und weckte große Begeisterung.
Tourismus Köln Karneval

Der Aschermittwoch (17.02) läutete den Beginn der Fastenzeit ein. Der Aschermittwoch der Künstler in Köln, der ganztägig viele Kulturschaffende vor Ort bei einem qualitätvollen Programm versammelt, wurde abgesagt, lediglich ein virtuelles Orgelkonzert diente als Ersatz-Event. In Würzburg lud Bischof Dr. Franz Jung in Zusammenarbeit mit der Abteilung Kunst des Bischöflichen Ordinariats Würzburg Kunstschaffende unter dem Motto „Weisheit, Armut, Demut, Liebe – 800 Jahre franziskanische Spiritualität in Deutschland und Würzburg als Wegweiser durch die österliche Bußzeit“ in die Würzburger Franziskanerkirche ein. Entsprechend den aktuellen Corona-Vorgaben bekamen die Künstler*innen das Aschenkreuzt aufgelegt.
Überhaupt fragte man sich 2021 nach dem Sinn einer Fastenzeit: leisteten wir nicht seit Beginn der zweiten Welle und vor allem seit Start des am 29.10.20 in Bayern verkündeten Teil-Lockdowns Verzicht? Was sollte, wollte man da noch draufsatteln?
Ein Lichtblick war hier die Fastenaktion der Evangelischen Kirche „Spielraum – Sieben Wochen ohne Blockaden“, die dazu aufrief, in Corona-Zeiten Begrenzungen im Denken und Handeln hinter sich zu lassen. Im Eröffnungsgottesdienst am Sonntag, 21. Februar 2021 in der Johannesgemeinde im hessischen Eltville-Erbach, der im ZDF übertragen wurde, war der von Moses angeleitete Auszug aus Ägypten zentrales Thema – es ging um den mühsamen Weg in die Freiheit. Mit dabei waren Regionalbischöfin i.R. Susanne Breit-Keßler, 7 Wochen Ohne-Geschäftsführer Arnd Brummer und Pfarrerin Bianca Schamp. Der von einer Sängerin mit Blues-Stimme vorgetragene Gospel-Song „Go down Moses“ schickte einen regelrecht auf die Reise in ein anderes Land, ein neues Leben.
Bischof Jung in Würzburg setzte erstmalig Social Media während der Fastenzeit ein und führte Interviews mit ausgewählten Personen, die in den Sozialen Medien veröffentlicht wurden. Für diese Instagram-Gespräche waren Menschen aus dem Bistum Würzburg ebenso wie Landtagspräsidentin Ilse Aigner, Dr. Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, und Bischof Bernardo Johannes Bahlmann aus dem Würzburger Partnerbistum Óbidos in Amazonien/Brasilien vorgesehen. Die Talkserie stand unter dem Titel „ausgetauscht“ und dem Hashtag „zwei1einhalb“. Dies bedeutete: Es tauschen sich zwei Personen (Bischof und Gesprächspartner*in) zu einem Thema, in einer halben Stunde aus.
pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/bischof-talkt-erstmals-auf-instagram

März

Im März begann es zu brodeln. Vor allem die Freien Wähler in Bayern hatten sich immer wieder für Lockerungen ausgesprochen, um dem Handel eine Perspektive zu eröffnen. Andererseits war jetzt schon absehbar, dass die britische Mutante sich in Deutschland eingenistet hatte. Als vernünftige*r Bürger*in dachte man sich: hoffentlich wird nicht jetzt gelockert, auf zwei Wochen kommt es nun wirklich nicht an. Die Virolog*innen und andere Akteure hatten sich auf die Zero Covid oder No Covid Strategie versteift, die in ihrer Rigidität auch nicht so ganz wirklichkeitsnah erschien. War dies angesichts der momentanen Fallzahlen und 7-Tage-Inzidenzen jemals zu schaffen, auf eine Wert um die 0 oder maximal unter 35 zu gelangen? Diese Aussicht schien wenig verlockend, um die Bevölkerung zu motivieren, weiterhin durchzuhalten. Zudem weckte der Modellversuch Tübingen Hoffnung, wo es gelang mit Testungen die Fallzahlen auf moderatem Niveau zu halten und mehr Öffnungen zu ermöglichen.

Bei der Bund-Länder-Besprechung vom 3.3.21 schließlich wurde ein gestufter Öffnungsplan beschlossen, in Bayern wurden die Beschlüsse am 4.3.21 in einer Kabinettssitzung angepasst. Seit dem 8. März 2021 können Büchereien, Archive und Bibliotheken- unabhängig vom Inzidenzwert – wieder öffnen.
Als Voraussetzung sind ein entsprechendes Hygienekonzept und die Begrenzung auf einen Kunden je 10 m² für die ersten 800 m² Fläche und darüber hinaus einen Kunden je 20 m² genannt, zudem der Mindestabstand von 1,5 m. Die Kundinnen sollen weiterhin FFP2-Masken gemäß § 12, Absatz 1, Satz 4, Punkt 3 benutzen. Diese Öffnungsmöglichkeit fußt auf der rechtlichen Grundlage, dass Bibliotheken den Geschäften des täglichen Bedarfs gleichgestellt sind, die unabhängig von der Inzidenz zugänglich sein dürfen.
12. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung

Es galt und gilt allerdings: Bibliotheken müssen nicht öffnen, wenn die 7-Tage-Inzidenz über 100 steigt, es gibt lediglich die Option dazu. Jederzeit ist es möglich, den Abholservice beizubehalten oder zu diesem Angebot zurückzukehren.
Ähnlich wie bei der Gestattung von Click & Collect passten die Bibliotheken ihre Hygienekonzepte an und sprachen diese mit den lokalen – und Kreisbehörden ab. In der Regel gibt es strenge Auflagen gemäß der rechtlichen Vorgaben und es werden oft nur Ausleihbetrieb angeboten und die Aufenthaltsdauer reduziert. Um die Zahl der Besucher*innen zu kontrollieren gibt es die verschiedensten kreativen Lösungen: Körbe, Buchcover, Murmeln etc.

Am 14.3.21 berichtete RND Deutschland, dass die Corona-Inzidenz auf den Balearen unter 25 gesunken ist und das Auswärtige Amt die Reisewarnung für Mallorca und andere Inseln aufheben würde. Folglich wurde die Inselgruppe vom Robert-Koch-Institut nicht länger als Risiko-Gebiet eingestuft. Für Urlauber*innen aus Deutschland war jetzt keine Quarantäne mehr notwendig, allerdings galt ab 30. März die Regelung, dass sich alle Auslandsreisenden vor dem Rückflug nach Deutschland testen müssen.
Es setzte ein regelrechter Ansturm auf Mallorca-Reisen ein, vor allem über Ostern wollten viele die sonnige Insel genießen. Der Mallorca-Boom rief bei der Politik und bei vielen Bürger*innen, die sich an die Auflagen, nicht zu verreisen, hielten, Empörung hervor. Der SPD-Gesundheitsexperte, Karl Lauterbach, warnte vor der brasilianischen Mutation, die auf der Insel vorgekommen sein soll und bei Einschleppen nach Deutschland die Ausbreitung einer impfresistenten Virus-Variante zur Folge hätte.
Die Flüge nach Mallorca waren den Ministerpräsident*innen insbesondere bei der Bund-Länder-Konferenz am 23.3.21 ein Dorn im Auge. „Wir halten insgesamt Reisen im Augenblick für nicht sehr förderlich, um es vorsichtig auszudrücken“, so die Bundeskanzlerin Angela Merkel. Man versuche deshalb alles, um „keine neuen Infektionsherde zu uns zu bringen … Deshalb haben wir mit den Fluggesellschaften vereinbart, dass Tests von Crews und Passagieren vor dem Rückflug stattfinden. Wir werden das Infektionsschutzgesetz ändern und angesichts der vorliegenden weltweiten Pandemie insgesamt eine generelle Testpflicht vor Abflug zur Einreisevoraussetzung auf Flügen nach Deutschland vorsehen“, sagte Merkel.

Die Besprechung hatte sich zeitlich hingezogen, die Pressekonferenz war am frühen Abend angekündigt und immer wieder verschoben worden. Die Bundeskanzlerin trat schließlich gegen 2.30 Uhr am Dienstagmorgen auf die Bühne. U.a. sollten vom 1. bis zum 5. April das öffentliche, wirtschaftliche und private Leben weitgehend heruntergefahren, Ansammlungen verboten und strikte Kontaktbeschränkungen verhängt werden. Auch Oster-Gottesdienste sollten nach Möglichkeit nur virtuell stattfinden, so die Bitte an die Religionsgemeinschaften. Die Kirchen, die sich auf ihre Hygienekonzepte beriefen, zeigten sich sehr erstaunt.
MPK-Beschlüsse vom 23.3.21
Kurz danach am 24.03.2021 erfolgte ein Rückzieher von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Beschluss habe sich in dieser Form als rechtlich nicht umsetzbar erwiesen, dafür entschuldigte sie sich bei der Bevölkerung und man zollte ihr dafür Respekt.

April

Das christliche Osterfest war – quasi durch die Fahrigkeit eines Beschlusses, den Bundeskanzlerin und Ministerpräsident*innen zu nächtlicher Stunde in nicht ausgereifter Form gefasst hatten – gerettet, soweit die Kirchen dem Anliegen, Messen auszusetzen überhaupt gefolgt wären. Die Kartage, Messen zur Osternacht und Auferstehung durften stattfinden. Nicht ganz einfach war es zu Zeiten der Pandemie, die Botschaft vom Durchbruch neuen Lebens zu vermitteln. Die Zusage von Hoffnung und Zuversicht allerdings dürften viele Menschen dankbar aufgegriffen haben.

Anlass dazu besteht, trotz des Durcheinanders der in den unterschiedlichen Ländern geltenden Vielfalt von Regeln. Zwar ist das Impftempo in Deutschland moderat, aber die Quote der Geimpften nimmt von Tag zu Tag ein Stück zu und liegt mittlerweile bei über 20%, was die Erstimpfungen betrifft.
Zwar sind Tests kein Mittel, sich vor Infizierungen zu schützen, doch geben sie ein Stück Freiheit zurück, wenn beispielsweise durch Schnelltest nach rund 15 Minuten für 24 Stunden lang ein ungezwungenes Zusammensein mit anderen Menschen oder Einkaufen bei einer Inzidenz über 100 ermöglicht wird. Jedem Bürger steht ein kostenfreier Test pro Woche zur Verfügung, er kann dafür eingerichtete Teststellen oder Apotheken nutzen, die nach negativem Befund den gewünschten Freibrief für begrenzte Zeit ausstellen dürfen.
Tests sollen vor allem auch in Schulen und Betrieben** für die in Präsenz Anwesenden mehr Sicherheit bieten. Die Selbsttests in der Schule werden je Person in der Regel zweimal pro Woche (bei einer Sieben-Tage-Inzidenz über 100 ggf. auch öfter) durchgeführt.
In puncto Schulen ist dies besonders dringend, da die 7-Tage-Inzidenz von Kindern und Jugendlichen nach einem Bericht des Heute-Journal (16.4.21) deutlich höher liegen kann, als bei Erwachsenen.

Die Reisen nach Mallorca boomten weiterhin. Wer sich allerdings auf ein lockeres Leben in Freiheit gefreut hatte, wurde enttäuscht. In Mallorca gibt es strenge Auflagen: Maskenpflicht draußen wie drinnen im öffentlichen Raum, nächtliche Ausgangssperre, seit 24.4. von 23 bis 6 Uhr, Auflagen für den Hotelaufenthalt. Restaurants, Cafés und Bars dürfen mit eingeschränkter Kapazität öffnen – nur die Außenbereiche – bis 17 Uhr. Seit 24. April können die Betriebe zusätzlich montags bis donnerstags zwischen 20 und 22.30 Uhr Gäste auf den Terrassen bewirten. Im Freien dürfen sich höchstens sechs Menschen draußen treffen, Geschäfte können mit unterschiedlicher Kapazität für Kund*innen öffnen. Geschäfte, die nicht dem täglichen Bedarf dienen, dürfen bis 21 Uhr zugänglich sein.
Reisereporter: Regeln Mallorca
Am 25.4. stellte die Welt (Dirk Schümer) fest, dass allen Unkenrufen zum Trotz das Tourismusmanagement in Mallorca die Situation gut bewältigt. Das Reisekonzept der Veranstalter, unter Schutzauflagen Ferien anzubieten, scheint aufzugehen.

Zwischenzeitlich gibt es auch für Reisen in Deutschland einen Hoffnungsschimmer. Schleswig-Holstein kann sich als einziges Bundesland über eine 7-Tage-Inzidenz < 100 freuen und plante, verschiedene Modellregionen unter strengen Auflagen für den Tourismus zugänglich zu machen. Die Öffnung Lübecker Bucht / Timmendorfer Strand musste zunächst verschoben werden (erst seit Samstag, 08.05.2021 offen), dafür freuen sich die Ostseehafenstadt Eckernförde sowie die Schleiküste über Urlauber. Voraussetzung ist ein weniger als 48 Stunden alter negativer Corona-Test bei der Einreise, ein weiterer nach 48 Stunden vor Ort. Restaurants innen sind nur mit Kontaktdatenerfassung sowie Bestätigung einer vorgelegten Testung zugänglich. Zur Kontaktdatenverfolgung wird die Luca-App eingesetzt. Am 26.4. wies der Kreis Rendsburg-Eckernförde eine 7-Tage-Inzidenz von 56,9 auf, nach einer Woche Testbetrieb Touristik scheinen die Verantwortlichen die Öffnung unter Auflagen im Griff zu haben. Ähnlich werden in Nordfriesland alle Inseln, Halligen und das Festland zum 1. Mai öffnen.

In Schleswig-Holstein herrschen also paradiesische Zustände, während im Rest der Republik die Bundesländer mit der Notbremse zu kämpfen haben.
Am 26.4. liegt die Inzidenz in keinem anderen Bundesland < 100, in Sachsen und Thüringen > 200, in Ba-Wü, Bayern, Bremen, Hessen, NRW und Sachsen-Anhalt > 150.

Da die Zahl der Neuinfektionen immer weiter nach oben geklettert war, die Bundesländer sich aber nicht wirklich an die in der Bund-Länder-Konferenz beschlossene Notbremse ab einer 7-Tage-Inzidenz von 100 hielten (die Regelungen hinsichtlich Schulen und Öffnung des lokalen Handels wurden unterschiedlich ausgelegt), beschloss die Bundeskanzlerin das Bundesinfektionsschutzgesetz anzupassen und die Notbremse auf dieser Ebene zu verankern. Das Gesetz*** wurde im Bundestag diskutiert, ging am Do, den 22.4. durch den Bundesrat und trat ab 24.4. in Kraft. Es ist umstritten, gilt nicht als der große Wurf und die Freien Demokraten haben eine Klage beim Bundesverfassungsgericht gegen die Bundesnotbremse angekündigt.
In dem neuen Gesetz sind Bibliotheken nicht explizit erwähnt, folglich gelten die Landesverordnungen für diese zunächst weiterhin und es stand ad hoc keine grundsätzliche Änderung der inzidenzunabhängigen Öffnung bevor, lediglich die Personenbegrenzung wird ab 7-Tage-Inzidenz 100 analog zum Handel weiter verschärft.

Zieht man Ende April eine Bilanz, so ruft die Pandemie-Lage weiterhin gemischte Gefühle hervor. Anfang März wurde ein Stufenplan mit Lockerungen samt Notbremse in Kraft gesetzt, die sich zunächst als rostig erwies. Nicht alle Bundesländer wollten die Kraft aufbringen, diese zu ziehen.
Allmählich steigt allerdings die Impfquote, Gesundheitsminister Spahn möchte Ende Juni die Impfpriorisierung Schritt für Schritt aufheben, ohne dass jedem gleich und sofort ein Impfangebot gemacht werden kann. Die Einsatz von Schnelltests gestattet das Öffnen unter Auflagen für bestimmte Bereiche.
Im Gegensatz zu Schleswig-Holstein musste in Bayern das Projekt Modellstädte, das schrittweise die Öffnung von einzelnen Bereichen unter Auflagen beinhalten sollte, aufgeschoben werden. In Tübingen ist nach Erreichen der 100-Inzidenz ebenfalls Schluss mit dem Modellprojekt. Wann gelingt es, die dritte Welle zu brechen und weiter nach Stufenplan voranzuschreiten? Das ist die spannende Frage. Immerhin spielt das Wetter mit und wartet Ende April mit Sonne und Wärme auf – die Kirschblüte in weiß und rosa strahlt aus voller Kraft. Wir wissen aus dem Vorjahr, dass die frühsommerlichen Temperaturen sehr förderlich waren, um das Virus einzudämmen. Ob das auch für die Britische Mutante B117 gilt? Das steht in den Sternen. Zumindest lässt es sich an der frischen Luft ein bischen besser ertragen, wie stark noch immer die Einschränkungen sind. Beispielsweise dass für Kultur, Kunst und Reisen bei einer Inzidenz > 100 entweder die Notbremse greift oder noch keine weiteren Planungen für eine Öffnung auf dem Tisch liegen.

Angelehnt an das Motto zum Kölner Karneval 21 bleibt da nur zu sagen: der nächste Karneval, die nächste Reise, das nächste Konzert, die nächste Theateraufführung, die nächste Ausstellung etc. kommen bestimmt. Wir halten durch. Gemeinsam.

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*§ 22: Bibliotheken, Archive
1 Bibliotheken und Archive sind geschlossen. 2 Abweichend von Satz 1 ist die Abholung von bestellten Büchern und Medien in Bibliotheken und Archiven zulässig; hierfür gilt § 12 Abs. 1 Satz 4 Nr. 1, 3 und 4 entsprechend mit der Maßgabe, dass im Schutz- und Hygienekonzept insbesondere Maßnahmen vorzusehen sind, die eine Ansammlung von Nutzern etwa durch gestaffelte Zeitfenster vermeiden.
§ 12: Handels- und Dienstleistungsbetriebe, Märkte
(1) 4 : – Der Betreiber hat durch geeignete Maßnahmen sicherzustellen, dass grundsätzlich ein Mindestabstand von 1,5 m zwischen den Kunden eingehalten werden kann.
– In den Verkaufsräumen, auf dem Verkaufsgelände, in den Eingangs- und Warteflächen vor den Verkaufsräumen und auf den zugehörigen Parkplätzen gilt für das Personal Maskenpflicht und für die Kunden und ihre Begleitpersonen FFP2-Maskenpflicht; soweit in Kassen- und Thekenbereichen von Ladengeschäften durch transparente oder sonst geeignete Schutzwände ein zuverlässiger Infektionsschutz gewährleistet ist, entfällt die Maskenpflicht für das Personal.
– Der Betreiber hat für den Kundenverkehr ein Schutz- und Hygienekonzept auszuarbeiten und auf Verlangen der zuständigen Kreisverwaltungsbehörde vorzulegen.

**Arbeitgeber werden verpflichtet, Beschäftigten, die nicht im Homeoffice arbeiten können, einmal pro Woche einen Corona-Test anzubieten

***Viertes Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite vom 22. April 2021

Schlehenzauber

Schlehen oder auch Schlehdorn bzw. Schwarzdorn – wann habe ich diese Sträucher erstmals bewusst wahrgenommen? Aus meiner Kindheit sind mir vor allem die Sträucher mit den dunkelblauen Beeren in Erinnerung, die ich ansonsten nicht weiter beachtet habe.
Der Schlehdorn zeigt sich – neben der Kirschblüte – in der Natur, bevor die Obst- und Laubbäume ihre Knospen entfalten. Die Schönheit dieser eigentlich gemein wirkenden Büsche ist mir letztes Jahr besonders aufgefallen. Der Frühling 2020 wartete mit bestem Wetter auf. So war es eigentlich kein Wunder, dass auch diese Pflanze als Vorbotin ihre weiße Pracht weithin ausbreitete. Nahezu magisch zogen mich die Büsche immer wieder an. Immer wieder lenkte ich meine Schritte daraufhin zu. Ich lernte, dass es gilt, den hellen Schlehenzauber zu genießen, denn er währt nur kurze Zeit.

2021 war der April sehr wechselhaft und von schwankenden Temperaturen geprägt – Wärme, Sonne, Frost, Hagel, Schnee und Kälte. Die Magnolien kamen zwar zur Blüte, aber nicht in der geballten Kraft, wie sonst üblich, sondern sie wirken wie auf halbem Weg stecken geblieben. Jetzt trübt das ein oder andere braune Blatt deren Schönheit.
Da wundert es schon, dass die Schlehen ungeachtet der Wetter-Widrigkeiten ihren hellen Schirm aufgespannt haben. Begibt man sich in die Wildnis, kann man die Sträucher in ihrem variantenreichen Wachstum bewundern. Mal richtet sich der Blick auf die einzelnen Blüten, aus denen feine Härchen heraussprießen, mal tauchen dicke weiße Trauben vor dem Gesicht auf. Überhaupt lohnt es sich, die Augen im Gebüsch umherschweifen zu lassen. Ähnlich wie man ein Kunstwerk ertastet, kann man sich von einem Astgeflecht zum nächsten hangeln und an der hellen Blütenverkleidung erfreuen. Das Weiß legt sich sanft auf die Netzhaut und sackt tiefer bis zur Seele. Es stellt sich ein Empfinden von Frieden, Freude und Hoffnung ein – als ob man mitten in seine Hochzeit geraten wäre.
Man kann die verzweigten Sträucher aber auch befragen, welche Zukunft sie prophezeien. Eine Antwort geben sie nicht, aber die labyrinthischen Verästelungen lassen vielsagend Vielschichtiges ahnen.

Auch in diesem Jahr beschließe ich, dass die Schlehe zu einer meiner Lieblingspflanzen zählt. Gerade in dieser Phase der Pandemie, die uns nochmal einiges an Kraft abverlangen wird, kann der Strauch viel Positives mit auf den Weg geben: der Schlehdorn wächst frei und wild in die Höhe und lässt sich in seinem Wachstum nicht bremsen. Er trotzt dem Wetter und übersteht selbst die Aprilkapriolen 2021, er lässt sich nicht unterkriegen und blüht trotzdem munter vor sich hin – voller Widerstandskraft. Seine Helligkeit verbreitet Zuversicht und Optimismus, verstärkt wird dieser Eindruck vor allem dann, wenn die Zweige nicht für sich allein stehen, sondern sich ineinander verschränken, gegenseitig überlappen – also ein Netzwerk bilden.

Schlehenelixier soll übrigens ein geeignetes Stärkungsmittel nach Infektionskrankheiten sein – das wundert mich nun gar nicht mehr 🙂 Aber auch dem Blütenaufguss wird heilende Wirkung bei Durchfallerkrankungen, Blasen- und Nierenproblemen und Magenbeschwerden (insbesondere bei Kindern) nachgesagt.
Die Schlehenfrüchte reifen ab etwa September und können beispielsweise zur Herstellung von Fruchtsaft und Obstwein sowie Marmelade und als Zusatz zu Likör (Schlehenlikör bzw. „Schlehenfeuer“) verwendet werden. September – da klingelt bei mir etwas. Lt. Prognose sollten wir bis dahin in der Pandemiebewältigung einen guten Schritt vorangekommen sein. Vielleicht können wir uns dann tatsächlich zur Belohnung an den köstlichen Schlehen-Erzeugnissen erfreuen. Ich werde mich in jedem Fall daran erinnern, wie gut mich die Schlehe in dieser schwierigen Phase des Lebens begleitet hat.

New York – eine Stadt erwacht zum Leben

„Die Stadt, die erstmals schläft“

Auch New York musste im Frühjahr letzten Jahres in den Lockdown. Die Corona-Fallzahlen bewegten sich zunächst in etwa auf dem Niveau der Stadt München, am Sonntag nachmittag, den 15. März 2020 schließlich wurde die USA vom RKI zum Risikogebiet erklärt. Ähnlich wie in Deutschland mussten ab 20. März 2020 alle Menschen wegen Covid-19 zu Hause bleiben. Präsident Trump lancierte noch dumme Sprüche, als allmählich bereits das Ausmaß der Krise in den USA sichtbar wurde.

Am 24. März stellte Thorsten Denkler in der SZ fest, dass auf einen Erkrankten nur noch 700 Einwohner kämen. In New York City waren ein Drittel aller Fälle in den USA dokumentiert. Fünf Prozent der weltweiten Covid-19-Fälle gäbe es jetzt in New York. Die Stadt sei zu einem der großen Corona-Epizentren der Welt geworden. Angst verbreitete sich, denn man sah Zustände wie in Norditalien voraus. Gouverneur Andrew Cuomo ordnete an, dass die Krankenhäuser ihre Intensivkapazitäten um 50 Prozent erhöhen müssten. In New York nahm das Virus so richtig Fahrt auf. (1)

Mehr als eine halbe Million Menschen in den Vereinigten Staaten sind an oder mit Corona verstorben (2), davon mehr als 30.000 Menschen in New York City. Hochgerechnet auf die Bevölkerungszahl in Deutschland wären das etwa 300 000 Tote. Zu zögerlich habe New York aufgrund der Pandemie reagiert. Auf dem Höhepunkt im vergangenen April 2020 wurden bis zu 1 000 Tote – pro Tag gezählt.
Bei den Geschäften rund um den Times Square brach die Wirtschaftsleistung um 87 Prozent ein. Hunderttausende standen ohne Arbeit da. (3)

Neues Erwachen (3)

Der Gouverneur legte Anfang des Jahres einen Plan vor. Denn er meinte, man könne nicht länger warten, man hätte sonst nichts mehr zum Öffnen, der Preis sei zu hoch. Man müsse smart und sicher lockern.

„Kunst, Kultur und Live-Veranstaltungen sind das Herz von New York“, sagte Bürgermeister Bill de Blasio bei einer Pressekonferenz. „Heute bringen wir sie zurück.“ Ab dem 1. März 2021 war es kulturellen Einrichtungen gestattet, Anträge zu stellen, um auf bestimmten Straßen und Plätzen der Millionenstadt Kunstausstellungen oder kulturelle Vorstellungen zu präsentieren (4)

So kehrt in New York das Leben allmählich zurück, wie Johannes Hano in Reportagen für das ZDF berichtet (3; Quelle für den folgenden Abschnitt). Die Restaurants dürfen wieder mit 50 Prozent belegt werden, Kinos und Museen öffnen und die Geschäfte können wieder betreten werden. Alles vorsichtig und mit strengen Infektionsschutzbedingungen, aber Hoffnung sei in die von Corona gebeutelte Stadt zurückgekehrt.
Bei den Interviewten herrscht Optimismus: „wir denken, wir können überleben, auch wenn es noch nicht wie vor der Pandemie ist“, „es wird langsam besser – wir werden eine glänzende Zukunft haben. Wir sind noch nicht wieder auf Vor-Pandemie-Level, aber wir werden dahin kommen. Im Sommer wohl schon“.
Finanziert von Stadt und Bundesstaat finden an vielen Orten in New York Pop-Up-Konzerte, Tanzaufführungen vor Publikum uvm. statt, überall in der Stadt treten Musiker*innen, Performer*innen auf und bringen neuen Mut zurück. Prominente Künstler zeigen sich in Museen, Garagen, öffentlichen Plätzen und hinter Schaufenstern leerstehender Läden, unangekündigt, um Gruppenbildungen zu vermeiden. All dies soll zum Wiederauf- und Überleben der Kulturszene beitragen. Eine Atmosphäre, die das Wesentliche von New York ausmacht, soll wieder spürbar werden. Momentan wird Kultur als „Energiebombe“ erlebt, es passiere permanent etwas, mehrere Auftritte würden gleichzeitig stattfinden, das sei New York.

Angesichts einer 7-Tage-Inzidenz in New York City, die noch immer bei etwa 300 liegt, rufen die Öffnungen Verwunderung hervor. Die 7-Tage-Inzidenz sei allerdings bei der Bewertung des Verlaufs und der zu ergreifenden Maßnahmen nicht die entscheidende Größe gewesen. Kriterien waren und seien die Prozentzahl an positiv Getesteten, Krankenhauskapazitäten, schwere Verläufe und Todesfälle. Alle drei Faktoren seien seit Anfang Februar rückläufig.

Das New Yorker Öffnungskonzept stütze sich auf drei Säulen:

  • Masken – Nahezu alle tragen sie – auch im Freien (auf der Straße, im Park oder am Meer). Das Stück Stoff werde einfach integriert in den Alltag, es sei ein Preis, der gerne gezahlt werde.
  • Tests – Schon seit vergangenem Sommer können sich alle New Yorker umsonst testen lassen, wo und sooft sie wollen. Noch nicht einmal mit Schnelltests – diese werden gar nicht verwendet, sondern mit den teureren und genaueren PCR Tests. Dies ist möglich bei Ärzten, in Testzentren oder in mobilen Einrichtungen auf der Straße, das Ergebnis sei in 24 Stunden verfügbar.
  • Impfen – Fast 30 Prozent der New Yorker haben schon ihre erste Dosis bekommen. Bei Apotheken, Ärzten, Impfzentren – sogar ein U-Bahnfahrplan zeige Impfzentren und Details dazu an (welcher Impfstoff wird verimpft, wer ist impfberechtigt? Wie kann man einen Online-Termin vereinbaren). Ende März überraschte der Bürgermeister mit der Nachricht, dass Menschen ab 30 geimpft werden könnten, ab 6. April alle über 16 Jahre.

Impfen ist der entscheidende Faktor

Von diesem Impftempo kann Deutschland nur träumen. Aber es ist der entscheidende Faktor und lässt wieder Öffnungen zu. „Ich bin stolz verkünden zu können, dass wir (…) 58 Tage nach dem Amtsantritt meiner Regierung, mein Ziel erreicht haben werden, unseren amerikanischen Mitbürgern 100 Millionen Spritzen zu verabreichen“, erklärte US-Präsident Joe Biden. Eigentlich hatte er sich für die Erfüllung des Versprechens 100 Tage im Amt Zeit gegeben.“(5)
„Das entspricht fast einem Drittel der Gesamtbevölkerung von rund 330 Millionen Menschen. Daten der Gesundheitsbehörde CDC zeigten, dass die Zahl der erstmals Geimpften auf 101,8 Millionen gestiegen ist. Rund 58 Millionen Menschen sind bereits vollständig geimpft. In der besonders gefährdeten Altersgruppe über 65 haben dem CDC zufolge bereits drei Viertel aller Amerikaner eine Impfung erhalten, rund 54 Prozent gelten als vollständig geimpft. Die US-Regierung hat angekündigt, bis Ende Mai genügend Impfstoff für alle rund 260 Millionen Erwachsenen in den USA zu haben.
In den USA werden drei Impfstoffe genutzt: Die Präparate von Moderna und Biontech/Pfizer, bei denen jeweils zwei Dosen gespritzt werden, und die Impfung von Johnson & Johnson, die bereits nach einer Dosis ihre volle Wirkung entfaltet.“ (6)

Auch Deutschland wird es schaffen!

Kann sich Deutschland etwas abschauen von diesem Konzept? Die Öffnung bei hoher 7-Tages-Inzidenz erscheint waghalsig. Zumindest das Impftempo ist beispielhaft. Bei uns wurden die Weichen früh anders gestellt, zum Nachteil für das Vorhandensein von Impfstoff. Sicher werden wir bei allem ein bischen langsamer voranschreiten und mehr Zeit brauchen. Aber auch wir werden es schaffen! New York ist zu wünschen, dass der Mut zu Lockerungen nicht von steigenden Infektionszahlen konterkariert wird.

(1) https://www.sueddeutsche.de/politik/new-york-city-coronavirus-1.4855264

(2) https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.new-york-nach-dem-lockdown-was-durch-corona-kam-und-was-bleibt.5ba3b8f2-eb89-45f0-8bad-323af5ad4323.html

(3) https://www.zdf.de/nachrichten/politik/new-york-corona-lockerungen-100.html
siehe auch: https://www.zdf.de/politik/auslandsjournal/impfen-und-oeffnen-100.html
beides: Quellen für die Fakten aus New York

(4) https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.corona-lockdown-in-new-york-kultur-soll-open-air-starten.2267f640-0d4f-490c-a259-7cac1259380e.html

(5) https://www.dw.com/de/biden-l%C3%B6st-impfversprechen-vorzeitig-ein/a-56923223

(6) https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/coronavirus-news-ticker-kw-13,ST1F8ka (3. April 20:38 Uhr)

Außerdem: https://www.spiegel.de/politik/ausland/new-york-city-lockert-den-corona-lockdown-und-sucht-seine-seele-a-da22d57d-fe2e-4280-8ddf-eb9e0359abc4